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Medizin: Gefährliche Wechselwirkung

Medizin : Gefährliche Wechselwirkung

Zum Artikel „Vitamin C kann Haut­alterung vorbeugen“ (TV vom 18. Dezember) schreibt der Mediziner Dr. Peter Krapf:

Leider wurden die Spitzenlieferanten von Vitamin C nicht genannt. Hagebutte (1250 mg/100 g), schwarze Johannisbeere (177 mg), Petersilie (159 mg) oder Paprika (117 mg) enthalten deutlich mehr Vitamin C als die circa 50 mg von Zitrone, Orange oder Grapefruit.

Leider weisen Sie nicht auf die Wechselwirkungen von Arzneien mit Orangen, Zitronen und Grapefruit hin. Denn der uneingeschränkte Genuss von Orangen, Zitronen & Co. ist nicht gegeben. Vielmehr sollte unbedingt auf die Gefahr durch Wechselwirkung von Zitrusfrüchten, insbesondere Grapefruit und Medikamente, hingewiesen werden. Diese Wechselwirkungen können sehr unterschiedlich sein. Das Arzneimittel kann in seiner Wirkung ganz oder teilweise vermindert sein, es kann aber auch zu einer Wirkungsverstärkung kommen. Nach Angaben des Deutschen Apothekerverbandes reagieren mehr als 315 Arzneistoffe auf Lebensmittel. Diese Substanzen stecken in über 5000 gängigen Arzneimitteln.

Schmerzmittel sollten generell nicht mit Zitrusfrüchten oder Saft aus diesen Früchten zusammen eingenommen werden. Ganz verzichten sollte man bei der Einnahme von Medikamenten auf Grapefruitsaft. Die in ihm enthaltenen Flavonoide verstärken die Wirkung zahlreicher Medikamente. Dies gilt auch für Bitterorangen, die in manchen Orangenkonfitüren und -marmeladen enthalten sind. Zusammen mit Schlafmitteln kann es zu rauschartigen Symptomen kommen. Mögliche Folgen sind unter anderem Herzrhythmus­störungen, Nierenschäden, Rhabdomyolysen (Muskelzerstörung). Patienten müssen das wissen. Wechselwirkungen sind bereits durch einmal 200 ml Grapefruitsaft möglich. Je öfter der Saft getrunken wird, umso stärker ist die Interaktion. Wird über sechs Tage dreimal täglich 250 ml Grapefruitsaft getrunken, dann ist die Bioverfügbarkeit einer einfachen Felodipindosis (Blutdrucksenker) fünfmal höher, als wenn nur Wasser getrunken wird.

Im schlimmsten Fall wird durch die Wechselwirkung ein Heilmittel zum tödlichen Gift. Wie bei einem 29-Jährigen, der gegen seinen Heuschnupfen Terfenadin schluckte und dazu fleißig Grapefruitsaft trank – bis das Antihistaminikum 30-fach überdosiert war. Vorsicht ist auch geboten bei der Einnahme verschiedener Herzmedikamente, Antibiotika, Immunsuppressiva, Antimykotika, Blutfettsenkern, Antihistaminika et cetera.

Dr. Peter Krapf, Orthopäde, Schwerpunktpraxis Ernährungsmedizin BDEM, Trier