1. Meinung
  2. Leserbriefe

Gegen die Interessen der Bürger

Gegen die Interessen der Bürger

Wirtschaft

Zu den Artikeln "Neue Debatte um ein altes Streitthema" (TV vom 6. Juni) und "Niedrige Zinsen bedrohen Geschäftsmodell regionaler Banken" (TV vom 8. Juni):
Wer die Berichte über mehr Sonntagsverkauf und die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank liest, muss als normal verdienender, europäisch denkender Bürger langsam an Europa zweifeln. In den meisten größeren Orten, Städten und Geschäften kann fast sechs Tage lang von sechs bis 20 oder 22 Uhr eingekauft werden. Jetzt müssen auch noch große Kaufhauskonzerne mehr Sonn tags einkauf fordern, warum?
Zuerst auf den Rücken der vielen Teilzeitkräfte! Aber ich befürchte, dass den Bürgern mit dieser Aktion das letzte Geld im Portemonnaie und auf dem Konto nicht mehr gegönnt wird, sondern nur noch in den Kassen der immer wohlhabender werdenden Warenhausgesellschaften landen soll.
Eigentlich sollte Europa dazu dienen, den Bürgern und den Unternehmern Reisefreiheit und Warenhandel ohne Zollkontrollen und überall gleiche Steuern zu bescheren, aber durch die Euro-Krise und die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank kommt Europa immer mehr vom Grundkurs ab.
Den europäischen Finanzministern gelang es schon vor Jahren, noch vor der Flüchtlingskrise, immer höhere Kredite, die durch Steuern der Bürger erwirtschaftet wurden, in die Krisenländer Portugal, Irland, Island, Zypern und Griechenland zu pumpen. Die Länder müssen sie auch wieder zurückzahlen, aber wohin mit dem Geld? Jede Kreditcharge musste von den Finanzministern in zig Sitzungstreffen abgesegnet werden. Gleichzeitig wurde die Zentralbank immer stärker, bis sie heute zum Geld- und Zins-Selbstläufer mutiert ist.
Es widerspricht im Grundkonsens der europäischen Charta, wenn eine Euro-Institution wie die EZB mit ihrer Nullzinspolitik gegen die Interessen europäischer Bürger und regionaler Geldinstitute arbeitet. Die EZB handelt mittlerweile volkswirtschaftlich so schädlich, wie einer der Banker beim TV-Gespräch erklärte, dass innerhalb von sechs Jahren 344 Milliarden Euro Zinseinlagen verloren gingen. Warum schreitet nicht gleich Europol als Eurobehörde ein?
Bei dieser Nullzinspolitik keimt der Verdacht der Steuerhinterziehung auf. Durch die EZB wird nämlich das zu versteuernde Kapital der Bürger den Finanzämtern vorenthalten, wobei die EZB eindeutig steuerschädlich und bürgerfeindlich in Sachen freies Europa handelt, ohne dass die Finanzminister diesem Treiben ein Ende setzen.
Ullrich Papschik
Bitburg