Umwelt : Gegen die Wand

Zur Berichterstattung über den Klimawandel und die Protestbewegung Fridays for Future schreiben Gundolf Bartmann, Ulrike Möhn, Isolde Schnorbach und Robert Goergen:

Empörend! Kinder und Jugendliche brechen die Schulpflicht, verführt von einer 16-jährigen Schwedin. Empörend: Nichts selber tun, aber mit Demos und Krach große Politik spielen! Ich finde empörend, dass unsere Koalition vor vier Jahren den Pariser Vertrag zum Klimaschutz unterschrieben hat und nichts tut. Man hat bis heute verschwiegen, dass die Verfolgung dieser Ziele nicht weniger bedeuten muss als die radikale Wende in unserer Produktions- und Lebensweise. Genau darauf machen die Kids und Teens aufmerksam mit Klartext statt Ausreden.

Was gerade entsteht, sollte niemand unterschätzen: eine Bewegung, die sich nicht mehr über Ziele im Klimaschutz unterhalten, sondern endlich Maßnahmen einfordert und umsetzen will. Ohne Rücksicht auf Wirtschaftsinteressen, Lobbyverbände, Wachstumsglaube oder persönlichen Wohlstand. Der Flow entsteht aber nicht nur in den Schulen. 645 statt der geplanter 200 Teilnehmer kommen zu einer Fachtagung, dem Trierer Waldforum, vor ein paar Tagen in der Europahalle.  Zahlreiche Basisinitiativen werden konkret. Der Volksfreund bringt „Klimaschutz konkret“ als Topreihe auf seine besten Leseplätze! Werden auch Sie Teil einer Erfolgsgeschichte, die heute beginnt: Welt retten ist Lebensschule!

Gundolf Bartmann, Forstamtsleiter, Trier

Recht haben sie, die Schüler! Wenn nicht jetzt , wann denn dann sollten die jungen Aktivisten für ihre Zukunft demonstrieren?! Eine Zukunft, die immer noch von „Polit-Profis“ wie Lindner, Altmaier, Scheuer, Dobrindt oder Klöckner – genauso wie von ihren Amtsvorgängern – gegen die Wand gefahren wird! Waren und sind es doch genau solche „Polit-Profis“, zusammen mit den ungezählten Lobbyisten, die unseren blauen Planeten in Zukunft unbewohnbar machen.

Leider sind mit dem Einzug der AfD in den Bundestag weitere Klimawandel-Leugner und Gegner der Schülerproteste hinzugekommen! Bei den im Mai anstehenden Wahlen und zukünftigen Wahlen sollte sich also jeder Wahlberechtigte genau überlegen, wo er denn sein Kreuzchen macht.

Hätten die „Polit-Profis“ den Warnungen der echten Profis, der Klimaforscher und Wissenschaftler, die seit Jahrzehnten vor den von Menschen gemachten Klimaveränderungen warnen, einmal mehr Gehör geschenkt, bräuchten die jungen Menschen heute nicht zu Tausenden auf die Straße zu gehen. Im Gegensatz zu vielen Ministern, Abgeordneten und Regierungen weltweit haben diese Kinder ihre  Hausaufgaben gemacht und möchten nicht weiterhin untertänigst die ewig gestrigen Parolen und Phrasen hören!

Ulrike Möhn, Wittlich

Ich bin der Meinung, dass der Oberbürgermeister Wolfram Leibe „klug“ gehandelt hat, indem er die Schülerdemo vor dem Trierer Rathaus empfangen hat und damit gezeigt hat, dass er ihr Anliegen ernst nimmt. Wenn man jetzt die Schüler  wegen Schulschwänzens und Brechens von Schulregeln „vorkriminalisiert“, laufen die Erwachsenen Gefahr, die Bewegung in Kreise zu treiben, die diese Bewegung, die jungen Leute – mit einem in höchstem Maße gerechtfertigten Anliegen –  benutzt für ihre Zwecke. Ladet sie ein zu Diskussionsveranstaltungen, verstärkt alle Anstrengungen, um ihre Anliegen, die ja auch die Anliegen von Erwachsenen sein sollten, baldmöglichst zu verwirklichen. Und wenn sich ihre Forderungen nicht so schnell verwirklichen lassen, dann muss man die Gründe dafür für die jungen Leute transparent machen. Ich denke, wenn sie sich ernstgenommen fühlen, werden sich die Schülerstreiks irgendwann von selbst auflösen, jedenfalls dann, wenn eigentlich Unterricht sein sollte.

Isolde Schnorbach, Trier

Gut, dass immer mehr Menschen sich auf den Weg machen, unsere Erde zu retten und schützen. Schlecht nur, dass sich dabei viele keine Gedanken über die Auswirkungen ihrer Demonstrationen und Forderungen machen.

Im Volksfreund bekommt man gute Tipps, was man zum Beispiel  zur Energieeinsparung und Müllvermeidung selbst tun kann. Es gibt aber noch viel mehr Möglichkeiten. Man könnte Einweg-Kunststoffverpackungen komplett vermeiden (dazu gehören auch Tetra-Paks). Nur noch Mehrweg ist aber auch keine perfekte Lösung, da diese Verpackungen zu den Herstellern zurückgebracht und dort gereinigt werden müssten; was machen wir dann mit den Menschen, die jetzt noch im Bereich Einwegverpackung arbeiten? Wo könnten sie eine andere Arbeit finden?

In den aktuellen Demos geht es darum, unser Klima zu schützen. Das heißt dann aber auch für die Demonstranten: weniger Fernsehen, Internet, Kino, ständig neue Kleidung (oft aus Kunstfasern hergestellt), Schicki-Micki und Halli-Galli, nicht mehr von den Eltern mit dem Auto bis vor die Schultür gefahren werden, sondern den Bus oder das Fahrrad nehmen, nicht mehr jedes Jahr ein neues Handy kaufen, wenn das alte noch funktioniert, die großen und kleinen Imbissbuden weniger besuchen und den Müll danach nicht einfach während der Autofahrt aus dem Fenster werfen, sondern mitnehmen und in eine Mülltonne stopfen und beim Kauf von Kosmetikprodukten auf echte Bio-Siegel achten. Autofahren entfällt vorläufig ganz, da die Reifen aus Erdöl hergestellt werden. Dieses nutzt sich beim Fahren ab und belastet die Natur. Fahrzeuge mit Dieselantrieb werden zurzeit verteufelt, doch Benziner sind nicht wirklich sauberer. Oldtimer  dürfen nicht mehr gefahren werden, ebenso Zweitakter (Mofa, Rasenmäher). Zum Sparen von elektrischer Energie wird die Deko-Außen- und Innenbeleuchtung von öffentlichen Gebäuden und Denkmälern abgeschaltet. Die Massentierhaltung wird verboten, es gibt nur noch echte Bio-Lebensmittel. Diese werden dann rationiert.

Unsere hochtechnisierte Welt wird auf ein Minimum zurückgefahren, internetfähige Autos, Häuser, Staubsauger, Kühlschränke werden abgeschafft. Dadurch können seltene Metalle und Erden gespart werden. Der Urlaubsflug nach Mallorca oder Thailand wird gestrichen, ebenso der Winterdienst zur Herstellung von Schnee zum Skifahren. Gibt es keinen natürlichen Schnee vom Himmel, wird eben kein Ski gefahren. Autorennen werden verboten.

Und wenn wir das alles richtig und konsequent durchhalten, sitzen wir in 50 Jahren wieder in Höhlen und ernähren uns von dem, was wir in der Natur fangen und sammeln. Es gibt viel zu tun. Packen wir es an.

Robert Goergen, Oberweis