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Geradezu absurd

Bahn Peter Müller Kordel

Zum Artikel "Kein Strom für die Eifelstrecke" (TV v. 11./12. Nov.):
Es könnte nicht schaden, wenn in der Behörde namens Umweltbundesamt wenigstens ein paar Leute mit technischem Sachverstand säßen. Wenn Schienenfahrzeuge mit Verbrennungsmotor in Ballungsgebiete einfahren, steht das in keinem Verhältnis zum Individualverkehr. Eine Einbeziehung dieser Fahrzeuge in Umweltzonen zu fordern ist geradezu absurd. Bei dem Hinweis auf den Elektrifizierungsgrad der einzelnen Bundesländer kann man einen Stadtstaat wie Bremen, wo höchstens ein paar Kilometer Industriegleise nicht elektrifiziert sind, nicht mit Flächenländern vergleichen. Zwar stellt die elek trische Traktion nahezu unbegrenzte Leistungsreserven bereit, jedoch ist die Elektrifizierung einer Bahnstrecke keineswegs immer die Ultima Ratio. Im deutschen Bahnnetz beträgt die Spannung 15 000 Volt bei 16 2/3 Hertz Taktfrequenz, die über die gesamte Distanz ohne Schwankungen aufrechterhalten werden muss. Wo kommt dieser Strom her? Diese Frage stellt sich ja nicht nur bei der geforderten E-Mobilität auf den Straßen.
Im Frühjahr 2013 machte der Volksfreund mit der Schlagzeile auf: "Grüne wollen täglich 70 Güterzüge durch die Eifel rollen lassen." Menschen mit eisenbahntechnischem Sachverstand schüttelten ob dieser Aussage nur den Kopf oder brachen in schallendes Gelächter aus. Der damalige Bundestagsabgeordnete Manfred Nink - ein Mann mit fundierter technischer Ausbildung, die man so manchem heutigen Politiker auch wünschen würde - hat auf die prekären Neigungs- und Krümmungsverhältnisse der Eifelstrecke hingewiesen. In Fahrtrichtung Nord-Süd, insbesondere im südlichen Teil zwischen Gerolstein und Trier-Ehrang, sind bei der Talfahrt im Gefälle keine Zuglasten möglich, die die beiden Rheinstrecken auch nur ansatzweise entlasten könnten. Hieran würden eine Elek trifizierung und eine durchgehende Wiederherstellung der Zweigleisigkeit nichts ändern, weil diese Dinge absolut nichts damit zu tun haben. Die vorherige Landesregierung hatte diese Maßnahmen zur Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan 2015 bis 2025 angemeldet, das Bundesverkehrsministerium lehnte sie völlig zu Recht als unwirtschaftlich ab.
Wer dieser Bahnstrecke und den Menschen, die hier leben, etwas Gutes tun will, der lässt sie - von Sanierungen abgesehen - so, wie sie ist. Formulierungen wie Stinker oder Dreckschleudern auf Dieseltriebwagen und Diesellokomotiven anzuwenden, mag plakativ daherkommen, einer Versachlichung der Diskussion dient es jedenfalls nicht.
Peter Müller
Kordel