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Gernot Bastmeyer: Berichterstattung sollte ausgewogener sein

Leserbrief : Berichterstattung sollte ausgewogener sein

Ukraine-Krieg

Zum Leitartikel „Ein Dokument moralischer Erbärmlichkeit“ (TV, 2. Mai):

Nicht der Offene Brief von Prominenten an den Bundeskanzler ist ein Dokument moralischer Erbärmlichkeit, sondern der Leitartikel von Herrn Kolhoff selbst! Seit wann ist es in diesem Land nicht mehr möglich, eine zur Besonnenheit rufende Meinung zu äußern (Warnung vor einer nuklearen Eskalation, Zurückhaltung bei Waffenlieferungen), ohne dafür diffamiert zu werden? 

Der Bundeskanzler, der in diesen schwierigen Zeiten vielleicht zum ersten mal zurecht zögerlich abwägend und besonnen agiert, wird dafür von allen Seiten – vor allem aber von den öffentlichen Medien – scharf angegangen und vor sich her getrieben. Auf der anderen Seite kann sich der Botschafter eines bestimmten Landes in unverschämter, teilweise unflätiger Art und Weise äußern und aufführen und wird davon von der der Presse noch nicht mal gerügt! 

Auch in Ihrer Zeitung vermisse ich in letzter Zeit – genauer gesagt mit Beginn des Krieges in der Ukraine – eine der Situation angemessene zurückhaltendere und besonnenere Meinung. Die Fragen, unter anderem, mit welcher Unterstützung an die Ukraine eine Kriegsbeteiligung gegeben ist und ob und ab wann die Gefahr einer nuklearen Eskalation besteht, sind – wenn überhaupt – nur schwer zu beantworten.

Dazu kommt dann noch die Unberechenbarkeit des Herrn Putin. Aber gerade vor diesem Hintergrund wäre eine deeskalierende und ausgewogenere Berichterstattung – einschließlich von Leitartikeln und Kommentaren – für mich wünschenswert und einem kritischen Journalismus angemessen.