GESCHICHTE

Zur Berichterstattung über die Feierlichkeiten zu "25 Jahre Mauerfall":

Die Freude in Berlin war echt, ein richtiges Fest, nicht nur ein feierlicher Festakt für geladenes Publikum, wie von manchen Landtagen veranstaltet. "Wir sind das Volk" war das Fest. Erstaunlich bei den Reden, dass sich viele "Bürgerrechtler" nannten, die sich zum Thema DDR erst in den letzten Tagen der DDR geäußert hatten, als die Protestbewegung schon nicht mehr aufzuhalten war. Kaum ein Redner ging auf die politischen Gefangenen ein, die einen entscheidenden Anteil am Fall der Mauer hatten, denen die DDR-Regierung für ihre Überzeugung und ihren Freiheitswillen ihre Freiheit nahm und die nach ihrem Freikauf in den Westen - viele wurden gegen ihren Willen wieder in die DDR entlassen - weiter für die Freiheit kämpften. Und wer nannte uns Westbürger, die wir uns so für die Freiheit der Verfolgten einsetzten? Die wir aus freien Stücken und ohne eigenen Vorteil und Verdienst mit Plakaten und Transparenten bei Wind und Wetter vor der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn, auf Marktplätzen, in Demonstrationen, lautstark "Die Mauer muss weg" riefen, als wir unter Bürgerrechtlern in der DDR noch Einzelkämpfer sahen, deren Weg zwangsläufig im Zuchthaus landete? Auch auf KSZE-Konferenzen wurde demonstriert. Wir im Westen wurden von der Stasi übelst bespitzelt und einige sogar in Abwesenheit zu Haftstrafen verurteilt. Stasi-Akten haben diese Leute alle. Im Westen erinnert fast nichts an die DDR, so als hätten wir keinen Anteil am Mauerfall gehabt. So darf es nicht stehen bleiben. Zigtausende Westdeutsche haben ihren ganz privaten Anteil an der Feststellung "Wir sind das Volk". Und an die erinnern wir auch. Katrin Bornmüller, Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, Wittlich