Geschichte

Zur Berichterstattung über das Gedenken an den Holocaust:

Bereits im jugendlichen Alter bemerkte ich (Geburtsjahrgang 1948) das Schweigen, Leugnen, Lügen und Ignorieren der Generation meiner Eltern, jahrzehntelang die Mehrheit in der Gesellschaft. Der Eichmann-Prozess 1961 in Jerusalem, die Lektüre von Eugen Kogons "Der SS-Staat", Presse- und Fernsehberichte - insbesondere die Serie "Holocaust" und die fast zehnstündige Fernseh-Dokumentation "Shoa" des Franzosen Claude Lanzmann - führten mir das ganze Ausmaß des grauenhaften Geschehens vor Augen und lösten eine nicht zu beschreibende tiefe Betroffenheit aus. Quälende Erkenntnis war über 50 Jahre meines Lebens die Blindheit, Ignoranz und das fehlende Mitgefühl den Überlebenden gegenüber - trotz aller Gedenkveranstaltungen, der ausführlichen Berichterstattung, neuester Forschungsergebnisse, tausendfacher persönlicher Schilderungen. Der Holocaust wurde inmitten einer modernen Gesellschaft konzipiert und in die Tat umgesetzt, das heißt: in einer hoch entwickelten Zivilisation, in einem Umfeld auch außergewöhnlicher kultureller Leistungen. Daher muss er nach wie vor als Problem unserer Gesellschaft betrachtet werden. Solange Synagogen und jüdische Gemeindehäuser polizeilich bewacht werden müssen, Freundschaften und Kontakte an dem Thema zerbrechen, Bürger, die Stellung beziehen, am Telefon oder per Brief anonym bedroht und verhöhnt werden (welch ein Triumph ist das für den Diktator Hitler, sein verbrecherisches Regime und alle Alt- und Neonazis!), solange ist es wichtig und richtig, sich zu erinnern, nicht zu vergessen und sich gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus zur Wehr zu setzen. Besonders bei der jüngeren Generation müssen die Mahnung "Wehret den Anfängen" und der Leitspruch "Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit" fest im Bewusstsein verankert bleiben. René Schenten, Trier

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