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Gesellschaft: Geschockt und empört

Gesellschaft : Geschockt und empört

Zum Artikel „Aufregung um Kopftuch für Joggerinnen“ (TV vom 28. Februar) schreibt Elisabeth Dahm:

Ich bin eine fünfzehnjährige Schülerin und habe den Beitrag mit großem Interesse gelesen. Ein Kopftuch, das eine Muslima beim Sport tragen kann, ist eine gute Möglichkeit, ihr ebendiesen näherzubringen. Sport verbindet und erhebt sich über Kultur- und Ländergrenzen, was man deutlich an den Olympischen Spielen erkennen kann, bei denen für über 200 Nationen der Sport im Vordergrund steht und diese vereint. Dieses Gefühl könnte man im Kleinen erreichen, wenn sich Jogger unterschiedlicher Herkünfte und Kulturen auf der Joggingstrecke treffen und eventuell ins Gespräch kommen. Ein Sporthidschab würde einer Muslima dies ermöglichen.

In dem Artikel ist die Sprecherin der Regierungspartei La République en Marche zitiert, die das Kopftuch als Unterdrückung und als nicht emanzipiert beschreibt. Diese Auffassung teile ich nicht. Das Kopftuch bietet einer Muslima die Möglichkeit, sich zu emanzipieren. So wird Sport von konservativen Muslimen noch als unpassend für Frauen empfunden. Die Möglichkeit, das Kopftuch zum Sport zu tragen, könnte dies eventuell ändern oder Raum für Kompromisse bieten. Auch wenn das möglicherweise nicht der Fall ist, sendet es dennoch die meiner Meinung nach richtigen Signale, die französischen Muslima zeigen, dass sie in der französischen Kultur willkommen sind, ohne ihre eigene vollständig ablegen zu müssen.

Ein Kopftuch zu tragen zeigt die in den Menschenrechten festgelegte Religionsfreiheit. Die angebliche Unterdrückung, symbolisiert durch Hidschabs, rechtfertigt auf Grundlage dieses Menschenrechts unter keinen Umständen die Empörung gegen Decathlon und erst recht nicht die islamfeindlichen Kommentare, etwa  die Frage eines Users, ob das Unternehmen in Zukunft auch Bombengürtel verkaufen würde. Unterschiedlicher Meinung kann man sein, es ist aber kein Grund, Angestellte von ­Decathlon zu bedrohen.

Und was ist mit der angeblichen Unterdrückung? Es gibt wohl einige Frauen, die nur deshalb ein Kopftuch tragen, weil sie von verschiedenen Personen oder ihrer Kultur unterdrückt werden. Aber es gibt mindestens genauso viele Frauen, die aus eigener Überzeugung einen Hidschab tragen, was sich mit dem Tragen eines Kreuzes aus Überzeugung vergleichen lässt. Wenn die westliche Gesellschaft diesen Frauen das Tragen von Kopftüchern, angeblichen Symbolen der Unterdrückung, ausredet oder sogar verbietet, ist dann nicht genau das Unterdrückung? Ich bewerte das Kopftuch für Sportlerinnen als sehr gutes Angebot und bin geschockt und empört über die Reaktionen, die dazu geführt haben, dass der Verkauf eingestellt wird.

Elisabeth Dahm, Messerich