Gesellschaft

Zur Berichterstattung und zu Leserbriefen über die Flüchtlingskrise diese Meinungen:

Ja, die Gesellschaft wird sich verändern. Es kommt nur darauf an, wie sie sich verändern wird, zum Positiven oder nicht. Das kuschelige, selbstzufriedene Deutschland ist schon Geschichte - jetzt sind Charakter und Tatkraft verlangt, und zwar sowohl des Einzelnen wie auch als Volk. Bei allen Mahnungen, von dumpf braun bis zu scheinseriös, sind keine wirklichen Lösungen vorhanden. Es wird dadurch nichts an der Ausgangslage ändern. Die Bedenkenträger haben Konjunktur und merken nicht, dass sie meistens nur als Bremse fungieren, eine tatsächliche Hilfe leisten sie dadurch nicht, dem "Untergang des Abendlandes", ob christlich oder weniger, wird nur Vorschub geleistet. Die Ursachen liegen Jahre zurück, es wurde auf allen Ebenen versagt. Jetzt ist das Kind vollends in den Brunnen gefallen, auch mit unserem Zutun - vielmehr Tatenlosigkeit, und die Folgen sehen wir jetzt. Fakten: Die Flüchtlinge sind hier, und es kommen mehr. Weder ein Horst Seehofer noch die Pegida werden daran etwas ändern. Also, was tun? Tun! Arsch hoch und angepackt! Die Energie, die in diese weitgehend höchst überflüssige Debatte investiert wird, in konkrete Hilfe lenken - nicht nur bei der Bereitstellung von Wohnraum oder Kleidung, sondern vor allen Dingen in die Integration, das Erlernen der Sprache und Vermitteln unserer Werte. Auf diese Menschen zugehen - und es sind Menschen wie wir alle, ich weiß, wovon ich spreche. Die Parallelgesellschaften können vermieden werden, aber nur mit der Kraft eines jeden Einzelnen. Eine Alternative zur Bewältigung dieser Aufgabe ist unvorstellbar, Scheitern ist wahrlich keine Option. "Wir schaffen das!" Die Formulierung muss lauten: "Wir müssen das schaffen!" James Doddridge, Trier Warum um alles in der Welt hält die Bundesregierung, gestützt durch die große Mehrheit des Bundestages, an der fatalen Entscheidung fest, keine Obergrenze für den Zuzug von Millionen Asylsuchenden festzusetzen, die unser Land geradezu überschwemmen? Längst hat sich die Flüchtlingskrise in eine Flüchtlingskatastrophe verwandelt, die auch die wohlmeinendsten Vertreter einer wie immer gearteten Willkommenskultur ins Grübeln stürzen muss. Glaubte und hoffte man vor einigen Wochen noch, die Sache irgendwie in den Griff zu bekommen ("Wir schaffen das"), so wird zunehmend deutlicher, dass diese Sache "uns schafft". Quer durch alle Parteien warnen die direkt vor Ort betroffenen Kommunalpolitiker geradezu verzweifelt vor einem logistischen Kollaps und einer möglichen Gefährdung des sozialen Friedens. Hatte man zudem gehofft, Deutschland würde über ein Quotensystem in den EU-Staaten entlastet, so ist spätestens seit dem letzten Gipfeltreffen in Brüssel klar, dass von dieser Seite nichts oder nicht viel zu erwarten ist - vielleicht zeigt sich hier auch die verständliche Reaktion unserer Nachbarn auf die umstrittene, einsame und rechtswidrige Entscheidung der deutschen Bundeskanzlerin, die Flüchtlinge ohne wirksame Kontrollen einfach ins Land zu lassen, Schengen- und Dublinabkommen hin oder her. Um aus dieser aussichtslosen Lage herauszukommen, wirft die Bundeskanzlerin ihre letzten außenpolitischen Prinzipien über Bord und hofiert mit Milliarden von Euros und dem Versprechen einer Mitgliedschaft der Türkei in der EU den türkischen Staatspräsidenten Erdogan, einen skrupellosen Autokraten, der die Millionen Flüchtlinge, die in seinem Land auf die Weiterreise warten, als Erpressungspotenzial gegenüber der EU und speziell Deutschlands benutzen wird, wenn es ihm als opportun erscheinen wird. Warum unternimmt die Kanzlerin keine Reise in die Länder der arabischen Halbinsel (Saudi-Arabien, Emirate), die aufgrund ihrer Petrodollars ohne weiteres in der Lage wären, Flüchtlinge in großer Zahl aufzunehmen? Warum setzt sich bei uns nicht die Erkenntnis durch, dass Deutschland nicht allen helfen kann? Warum hat die Kanzlerin nicht die Größe, ihre Fehler im Zusammenhang mit der Flüchtlingskatastrophe zuzugeben und zurückzutreten? Horst Becker, Arzfeld Eigentlich müssten unsere Politiker die wahren Hintergründe und die Ursache des Flüchtlingsproblems kennen. Aber sie schweigen. Ist politisch zu riskant. Fakt ist, dass die USA/Nato fast den gesamten Nahen Osten in Schutt und Asche gebombt haben. Und in verdeckten Missionen haben CIA und private (in geheimem Auftrag der USA) Söldnertruppen wie Blackwater Menschen unterschiedlicher Religionen gegeneinander aufgehetzt, um somit unliebsame Staaten wie Syrien, die nicht nach der US-Nase tanzen, zu destabilisieren. Um dies zu erreichen, wurden gebetsmühlenartig Lügen verbreitet, damit auch jeder irgendwann glaubt, dass diese Lügen wahr sind. Beweise dafür gibt es zur Genüge. Jetzt sind schon über eine Million meist junge muslimische Flüchtlinge in Deutschland. Ein Ende ist nicht absehbar. Soziale, gesellschaftliche und kulturelle Konflikte sind an der Tagesordnung, aber, auch wenn ich von einigen verträumten Gutmenschen in die rechte Ecke gestellt werde, kommt man nicht an der Tatsache vorbei, dass von allen hier lebenden Religionsgruppen laut Rainer Wendt, dem Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft, die Muslime die größten Inte grationsprobleme haben. Der Koran ist mit unseren christlich-humanistischen Werten und Gesetzen nicht kompatibel, was vielen Muslimen die Integration unmöglich macht. Solange sich der Islam nicht zu einer humanistischen Religion reformiert, gehört der Islam für mich nicht zu Deutschland. Was tun unsere unfähigen (oder soll man sagen "unwilligen") Politiker? Sie schüren mit ihren Äußerungen unter Mithilfe der Presse auch noch die Spaltung der Nation. Jeder, der es wagt, also auch ich, wird nicht nur als Rechter, sondern auch noch als Fremdenhasser hingestellt. Ich bin kein Pegida-Anhänger, aber ich kann verstehen, dass immer mehr Bürger auf die Straße gehen - Bürger, die sich von der Politik verraten fühlen, weil ihre Probleme nicht gehört und nicht gelöst werden. Wenn Menschen derart von der Politik allein gelassen werden, suchen sie sich ein Ventil, um Luft abzulassen. Das ist ein Hilfeschrei und kein Rassismus und kein Fremdenhass! Dass rechte Trittbrettfahrer dies nutzen, muss jedem klar Denkenden bewusst sein. Das heißt: Die unfähigen Politiker haben Pegida erst auf den Plan gebracht. Solange sie keinen Hintern in der Hose/im Rock haben, den kriegerischen Imperialismus der USA anzuprangern und mit Hilfe der UN-Menschenrechtskonvention zu zwingen, ihre Politik zu ändern (hier schließt sich der Kreis), werden weiterhin Menschen auf der Flucht sein. Hans-Joachim Selzer, Bernkastel-Kues Zur Meldung "Früherer Baumarkt in Wittlich nimmt Flüchtlinge auf" (TV vom 21. Oktober): Wer hat den Taschenrechner weggesperrt?! Der letzte Satz des Berichts ("Täglich kommen zurzeit 400 bis 800 Flüchtlinge im Land an") hat mich nach "Wir schaffen das" irritiert. Ich greife spontan zum Taschenrechner: 600 (Mittelwert) Flüchtlinge/Tag = 18 000 Flüchtlinge/Monat = 216 000 Flüchtlinge/Jahr im Land. Rheinland-Pfalz repräsentiert circa fünf Prozent (vier Millionen Menschen) der Gesamtbevölkerung Deutschlands. Wird der Zustrom so, wie er sich aktuell darstellt, weiter andauern (einwohnerbezogene, relative Zuteilung auf die 16 Bundesländer vorausgesetzt), sagt der Taschenrechner 4,32 Millionen Asylbewerber in den nächsten zwölf Monaten für Deutschland. Die Bundesregierung hält an ihrer Prognose von 0,8 Millionen Asylbewerbern - im Jahr 2015 - fest. Im ersten Halbjahr 2015 wurden bundesweit 8178 Asylbewerber abgeschoben. Hermann Konrad, Pellingen Zum Artikel "Angespannte Stunden" (TV vom 20. Oktober): Wo sind wir hingekommen, dass wir so viel Kraft aufwenden müssen, um uns gegen deutsche Bürger, sie nennen sich zumindest so, zu verteidigen? Wie sang Nina Hagen damals? "Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael" - und meinte damit: Wie erkläre ich es meinen Mitmenschen in der DDR, wie bunt es doch jenseits der Grenze ist? Ist das Gedächtnis der Leute so kurz? Es sind doch erst 25 Jahre vergangen, seit man für Bananen Schlange stand und alles grau in grau war. Heute blühen die Städte im Osten, und wir alle hatten und haben immer noch unseren Anteil daran. Hat man nichts davon mitbekommen, dass Geben seliger denn Nehmen ist? Das Schreien "wir sind das Volk" ist mit Sicherheit nicht das, was uns verbindet und Deutschland ausmacht. Denken sie daran, dass auch sie Wirtschaftsflüchtlinge sind? Verhungern musste in der DDR niemand, auch wenn es vieles nicht gab. Und aus politischen Gründen musste nach 1989 niemand von ihnen mehr seine Heimat verlassen. Oder darf ich die Frage stellen: Gibt es immer noch ehemalige DDR-Bürger, siehe Pegida, die hinter Mauer und Stacheldraht besser aufgehoben wären? Margit Palm, Trier