Gesellschaft

Zum Artikel "Land verschärft Raser-Kontrollen und rechnet mit Millionen-Einnahmen" (TV vom 14./15. Januar) diese Meinungen:

Geschwindigkeitskontrollen sind sinnvoll, wenn sie in 30er-Zonen, vor Schulen, Kindergärten, Spielstraßen stattfinden. Nicht aber (wie im Raum Trier üblich) auf Autobahnen, 70er-Zonen oder Landstraßen. So was ist moderne Wegelagerei und dient nur dem Auffrischen der Stadt-/Staatskassen. Daniel Meyer, Trier Ja, werden wir immer verrückter? Im Jahr 2015 sind in Rheinland-Pfalz 90 Menschen durch Raserunfälle zu Tode gekommen und 5177 verletzt worden. Wenn das Land durch verstärkte Kontrollen versucht, diese Zahl zu reduzieren, halte ich das für ausgesprochen legitim und wichtig. Was sagt dazu AfD-Chef Uwe Junge? Er spricht von Abzocke, "um Bürger in Blitzfallen zu locken, ist offenbar genügend Geld da." Ich frage mich, hat er den Mut, diese These aufrechtzuerhalten in einer Diskussion mit den Hinterbliebenen von Unfallopfern? Die AfD ist dafür, öffentliche Plätze, Bahnhöfe und so weiter durch Kameras zu überwachen. Das ist teuer, es ist personalintensiv, aber auch wohl notwendig. Die Zahl von Verkehrstoten und Verletzten durch Raserei zu reduzieren ist Herrn Uwe Junge zu teuer, das bezeichnet er als Abzocke? Es ist schrecklich, wenn Menschen einem Terroranschlag wie in Berlin zum Opfer fallen. Ich versichere Ihnen, der Schmerz der Hinterbliebenen von Unfallopfern ist genauso groß wie der Schmerz von Hinterbliebenen der Terroropfer, nur das zu deren Trauerfeier keine Politiker, keine Bundeskanzlerin, kein Bundespräsident erscheinen. Wenn am Biertisch nach dem fünften Bier von "Abzocke" gesprochen wird, so mag das noch hingehen. Wenn ein Abgeordneter bei 90 Toten von "Abzocke" spricht, so ist das schlicht unerträglich. Hat dieser Uwe Junge überhaupt kein Mitgefühl mit den Hinterbliebenen? Im Pro und Kontra schreibt Herr Wientjes, "Blitzer dürfen aber nicht dafür missbraucht werden, die öffentlichen Kassen zu füllen ... nun sollen die Polizisten auch noch mehr Geschwindigkeitskontrollen durchführen. Fragt sich nur, mit welchen Beamten?" Herr Wientjes, fahren Sie doch einmal mit der Polizei zu einem Unfall, verursacht durch Raserei. Wenn der Raser selbst tot in seinem Auto sitzt und im anderen Auto auf den Vordersitzen tote junge Eltern und auf dem Rücksitz ein verletztes Kind vor Angst und Schmerz um Hilfe schreit, aber erst mit der Rettungsschere aus dem Auto geschnitten werden muss. Wenn Sie dann noch in der Lage sind, zählen Sie doch einmal die Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdienst, und schauen, wie viele Stunden diese Kräfte unter schrecklichen Bedingungen arbeiten müssen. Dann recherchieren Sie noch die Zeiten, die im Büro anfallen in Zusammenhang mit dem Unfall. Hinzu kommen noch Zeiten, die die Polizisten bei Aussagen vor Gericht zu machen haben. Im Übrigen, wie viel Zeit kann man sparen durch schnelles Fahren? Wenn ich auf einer Landstraße zehn km mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h fahre, benötige ich dafür sechs Minuten. Wenn ich die gleiche Strecke mit 130 km/h fahre, gewinne ich unter Einsatz meines Lebens 80 Sekunden. Ist dieser Gewinn von "Lebenszeit" wirklich ein Risiko wert? Dr. med. Antonius Hölscher, Daun