GESELLSCHAFT

Zur Berichterstattung über die Rolle von Politikern und Prominenten bei der Internet-Aktion "Ice Bucket Challenge":

Dass viele unbekannte Menschen an dieser Aktion teilnehmen, dabei ihren Spaß haben und eine gute Sache unterstützen wollen, kann ich noch nachvollziehen. Dass aber Abgeordnete, Minister, also Entscheidungsträger teilnehmen, zeigt, welche Strategie sie verfolgen: Publicity um jeden Preis und die Jagd nach Beliebtheit und Wählerstimmen. Es gibt jede Menge politische Herausforderungen im Bereich von Krankheiten wie ALS, aber auch im Klima- und Naturschutz. Herausforderungen, die diese Politiker selbst beeinflussen können. Sie können Entscheidungen treffen und brauchen keine Eiswasserdusche. Ich bitte als Wähler, diese Politiker in den nächsten fünf Jahren daran zu erinnern und zu fragen, ob ihre politische Arbeit irgendetwas an der Situation ändert, ob beispielsweise Pflegeberufe aufgewertet werden. Ob es eine anständige finanzielle Absicherung für Menschen gibt, die an ALS leiden oder die ALS-Patienten zu Hause betreuen. Ob Geld für die Forschung ausgegeben wird. Welche politischen Maßnahmen überhaupt noch möglich sind, wenn dauernd gespart wird, um einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Das, weil man immer noch an einem veralteten Geld- und Wirtschaftssystem festhält. Mal gespannt, wer von diesen Politikern dann mit den Antworten auf solche Fragen so schnell wie bei der Ice Bucket Challenge auf Facebook ein Video veröffentlichen wird. Oder welcher Politiker überhaupt Antworten hat. Alles sehr seltsam, es gibt mehr Geld als je zuvor auf dieser Welt, doch wir sind auf Spenden angewiesen, um eine Krankheit zu erforschen. Dient die Politik eigentlich noch den Menschen? Tragen diese Politiker überhaupt noch Verantwortung? Oder ist das hier eine Art Puppentheater? Edwin Kreitz, Hillesheim