Gesellschaft

Zum Artikel "Sterbehilfegesetz vorerst gescheitert" (TV vom 15. Juli):

"Als Sterbehelfer stehen wir Ärzte nicht zur Verfügung." Diese pauschale Behauptung bedarf einer Relativierung vor dem Hintergrund, dass jede falsche ärztliche Behandlung, die zu einem vorzeitigen Tod führt, auch als ,,Sterbehilfe" zu werten ist. Das Leben beginnt mit der Geburt, und das Sterben beginnt auch mit der Geburt. Dabei führt jedes gesundheitliche Fehlverhalten zu einem kürzeren Leben. Bereits eine falsche Ernährungsberatung kann zu gesundheitlichen Mängeln führen, die eine kürzere Lebenszeit verursachen, eine ungesunde Ernährung erst recht. Werden aber Krankheiten von den Ärzten nicht oder nicht richtig erkannt oder kommt es zu Behandlungsfehlern (ärztliches Versagen), dann können diese zu einem früheren Tod führen, an dem die jeweiligen Ärzte als ,,Sterbehelfer" beteiligt waren. Selbst Gesetze oder/und Vorschriften, die die Gesundheit der Menschen direkt oder indirekt belasten, können im weitesten Sinne des Wortes als ,,Sterbehilfe" wirken, weil zum Beispiel die Gesundheit geschwächt und die Lebenszeit dadurch verkürzt werden kann. So stellt sich in diesem Zusammenhang außerdem die Frage, ob bereits eine zögerliche Finanzierung der Krankheitskosten oder eine Verweigerung der erforderlichen Kosten durch die Krankenkassen für eine heilungsgerechte medizinische Behandlung eine ,,Sterbehilfe" der Kassen sein kann, wenn es dadurch auch zu einem zeitlich früheren Lebensende kommt. Der Begriff ,,Lebens-Hilfe" ist zutreffend. Dagegen sind der sehr allgemeine Begriff ,,Sterbe-Hilfe" oder die wohl unüberlegte Behauptung ,,als Sterbehelfer stehen wir Ärzte nicht zur Verfügung" zu überdenken und künftig zu unterlassen. Lebens-Hilfe ja, Sterbe-Hilfe nein. Willi Waxweiler, Wittlich

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