gesellschaft

Zur Glosse "Mensch … Kai Ming Au!" und zur Wahrnehmung der deutschen Burschenschaften in der Öffentlichkeit (TV vom 22. Juni):

Meinung

Nicht alle schlagenden Verbindungen in einen Topf werfen!
Es ist in der Tat unsäglich, was die Deutsche Burschenschaft (DB) in Bezug auf Mitgliedschaftsvoraussetzung beim diesjährigen Deutschen Burschentag beschließen wollte, aber aus formellen Gründen nicht behandelte (eine Art Ariernachweis als Aufnahmekriterium). Insoweit stimme ich Volksfreund-Redakteur Dieter Lintz mit seiner Bewertung zu. Nicht hinnehmbar ist jedoch, dass Herr Lintz alle studentischen Korporationen, insbesondere alle schlagenden Verbindungen, in einen Topf wirft. Er übersieht, dass bei den anderen großen waffen-studentischen Verbänden, dem Coburger Convent (CC) und den beiden Corpsverbänden, ganz andere Maximen gelten. So ist Voraussetzung für eine Mitgliedschaft im CC lediglich die "Einschreibung bei einer staatlichen Hochschule, staatlich anerkannten Hochschule oder einer vergleichbaren Hochschuleinrichtung (….), der nach dem am Ort der Verbandskorporation geltenden Bestimmungen zur Erlangung eines akademischen Grads, eines Staatsexamens oder eines theologischen Examens führt" (vgl. Stück 6 Pflichtenordnung des CC). Dementsprechend sind im Coburger Convent - gleiches gilt für die Kösener und Weinheimer Corpsverbände - Menschen unterschiedlicher Nationalität, Herkunft und Hautfarbe vereint. Gerade diese gelebte Internationalität ist eine wichtige Voraussetzung zur Überwindung von Ressentiments und Aversionen bis hin zu einem friedlichen Miteinander aller Völker. Darum bin ich sehr froh, dass in meinen drei studentischen Verbindungen in Kiel, Stuttgart und Trier sich unter den Aktiven und Inaktiven (= die noch Studierenden) Mitglieder befinden, die selbst beziehungsweise deren Vorfahren aus Bulgarien, Italien, Syrien, Tunesien oder der Türkei stammen. Wenn es um Korporationen geht, kann natürlich ein ehemaliger Juso-Bezirksvorsitzender wie Dieter Lintz nicht differenzieren. Aber vielleicht ist er zwischenzeitlich doch so gereift, dass ich ihn einmal mitnehmen kann zu einer Veranstaltung zum Beispiel des Corps Marchia Brünn zu Trier, damit wir etwas zur Aufarbeitung seines falschen Bildes tun können? Ingo Becker, Trier