Gesellschaft

Zur Berichterstattung über die Flüchtlingsfrage (TV vom 23. November) diese Meinungen:

Die Titelseite des TV verkündet: "Es stimmt nicht, dass halb Afrika auf gepackten Koffern sitzt" - na bitte, kein Grund zur Beunruhigung. Wirklich? Afrika beherbergt circa 1,2 Milliarden Menschen. Würde Oliver Müller (Caritas International) ähnlich antworten, wenn nicht von der Hälfte, sondern etwa von "einem Prozent von Afrika" die Rede wäre? Mehr noch: Die Wissenschaft erwartet bis 2050 ein Plus von über drei Milliarden Menschen für Afrika. Deshalb die weitere Frage an Herrn Müller: Wie sieht's in der Zukunft aus? Wirklich nur "kleine Flüchtlingsbewegungen"? Ja, wir müssen helfen, so gut, so viel und so lange wir können. Auch wenn es etwas kostet, auch wenn es unbequem ist. Das ist der Menschlichkeit geschuldet. Was wir aber definitiv nicht brauchen: die tägliche Schönrede- und Verharmlosungsorgie. Das beginnt bei Überschriften wie der zitierten und endet bei Sprüchen wie "wir bekommen Menschen geschenkt" (Katrin Göring-Eckardt, wenn ich mich recht entsinne), ganz zu schweigen von diversen Märchen, oft in Form von sogenannten Studien über "hochqualifizierte Zuwanderer", die "unsere Renten erwirtschaften werden" und die den schrecklichen "Fachkräftemangel" heilen. Und als Pars-pro-toto-Beweis dafür gelegentlich eine rührende Geschichte, die mit "und wenn sie nicht gestorben sind, integrieren sie sich noch heute" endet. Die Nachkriegsgeschichte zeigt, dass Deutschland sehr wohl bereit und in der Lage ist, eine Herausforderung anzunehmen. Es bedarf dazu keiner Durchhalte-Fata-Morganas und übrigens auch nicht der angesichts der hiesigen Besiedlungsdichte irrwitzigen Doktrin vom "Einwanderungsland". Das mögen Politik und Medien bedenken und sich andernfalls nicht wundern, wenn frustrierte Realisten sich dorthin wenden, wo die Probleme wenigstens beim Namen genannt werden, auch wenn von jenen "Populisten", wie immer gesagt wird, keine Lösungen genannt werden. Sollte Letzteres stimmen, hätten die "Populisten" mit der "etablierten" Politik wenigstens etwas gemeinsam. Prof. (i.R.) Dr. Wolfgang Sendler, Trier In der Reportage heißt es: "Es ist Russisch-Roulette. Noch nie hat ein Schlauchboot die italienische Küste erreicht. Die Schlepper setzen auf die Retter." Da stellt sich doch die Frage, ob die Retter nicht Bestandteil des Systems sind und somit eine Mitverantwortung tragen für jeden Ertrunkenen, der auf das Meer hinausgelockt wird. Hermann Gehrmann, Daun