GESELLSCHAFT

Zum Leserbrief "Schröders Agenda war notwendig" (TV vom 7. April) und zur Griechenland-Krise:

Herr Wagner hat sicherlich recht. Die ungeliebte Agenda war Deutschlands Anpassung an die neu eingeführte Gemeinschaftswährung. Deutschland war nicht wettbewerbsfähig, und die Arbeitslosigkeit war sehr hoch. Deutschland zeigt sich aber in der Lage, von der jetzigen Ausnahme-Situation zu profitieren, die verursacht wurde durch die Euroländer, die die Gunst der neuen Währung zum Anlass nahmen, unkontrolliert geliehenes Geld auszugeben und die Anpassung nicht nachträglich vollziehen wollen. Wir können zum Beispiel gerade Anschauungsunterricht nehmen, wie die griechische Politik in dieser Sache läuft. Im Jahr 2000 hat sich Griechenland mit Hilfe von falschen Zahlen - geliefert von einer US-Großbank - in den Euro hineingemogelt; 2009 musste der griechische Premierminister enthüllen, dass das Defizit seines Staates doppelt so hoch war als bekannt, und Griechenland brauchte daher unsere Hilfe; die neue Regierung trickst momentan mit der Vorlage von ungenauen Reformprogrammen bei der Eurogruppe, um mehr Geld zu bekommen; ein Versprechen, in Brüssel abgegeben, ist in Athen nichts mehr wert; juristisch zweifelhafte, aber opportunistische Reparationsforderung aus dem Zweiten Weltkrieg werden plötzlich aufgewärmt; der kleine Politiker Tsipras plustert sich auf neben dem mächtigen Putin und versucht, einen Keil in die EU zu treiben. Angesichts einer solchen Politik müssten wir unseren eigenen Politikern fast alles verzeihen. Andere Südländer der EU müssen sich der Gemeinschaftswährung noch anpassen, aber Griechenland ist das krasseste Beispiel. Es verhält sich nicht wie ein Freund und Partner. Ein "Grexit" wäre für uns inzwischen zu verkraften. Wenn deutsche Politiker sagen, dass sie Geldern für Griechenland im Bundestag zugestimmt haben("mit der Faust in der Tasche"), werden sich die Deutschen zu Recht fragen, warum die Agenda nötig war. Peter Oldfield, Mertesdorf