GESELLSCHAFT

Zum Artikel "Kluft zwischen Arm und Reich immer größer" (TV vom 20. Januar):

Seit etwa 40 Jahren ist die Kluft zwischen Arm und Reich immer auffälliger geworden, und man sucht nach Gründen. In den Jahrzehnten nach dem Beginn der industriellen Revolution waren es die Erfinder und Unternehmer, die schnell reich wurden, während die Arbeiter, die das noch schlechtere Leben auf dem Land hinter sich gelassen hatten, in den ungesunden neuen Städten lebten und arbeiteten. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war es aber klar, dass sie am neuen Wohlstand teilnahmen. Wir leben heute mitten in der digitalen Revolution, und genauso wie in der industriellen Revolution sind es die Erfinder, Unternehmer und hoch qualifizierten Mitarbeiter, die am meisten von ihrer Arbeit (zum Beispiel intelligente Maschinen) profitieren, weil sie weltweit begehrt ist. Dazu kommt die Globalisierung, die das rasche Verbreiten der neuen Ideen ermöglicht. Routinearbeiten, die man für Maschinen digitalisieren kann, werden auf diese Weise viel billiger. Manche einfache Tätigkeiten werden neu bewertet. In dieser Situation können wir aber nicht einfach schweigen, während die neuen Reichen ihr Vermögen in Steueroasen verstecken. Im vergangenen Jahr war viel zu lesen zu diesem Thema. Regierungen versprachen, sich zusammenzutun und die Oasen austrocknen. Was ist daraus geworden? Luxleaks dokumentierte, wie den Bürgern europäischer Staaten viel Geld vorenthalten wurde durch das Steuersparmodell eines anderen. Jean-Claude Juncker, der damalige Premierminister Luxemburgs, lehnt jede Verantwortung ab, und das Thema ist in einen Untersuchungsausschuss in Brüssel verschwunden. Werden wir jemals ein klares Wort dazu hören? Juncker wird von links und rechts im Brüsseler Parlament unterstützt: Wenn sein Stuhl wackelt, dann wackelt die neue Kommission. Peter Oldfield, Mertesdorf