Gesellschaft

Zur Berichterstattung über die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer und zur Debatte über die Willkommenskultur in Deutschland:

Tag für Tag ertrinken Menschen im Mittelmeer, die aus den verschiedensten Gründen ihre Heimat verlassen mussten. Und was macht das reiche Europa? Palavern und zuschauen, zu mehr sind die Verantwortlichen anscheinend nicht in der Lage. Wir leben nicht nur in Frieden und Freiheit, nein, wir leben im Luxus. Wir bauen Häuser, fahren schicke Autos, viele von uns gönnen sich mehrmals im Jahr eine Auszeit und fliegen in warme, sonnige Ferienländer. Die Menschen, die aus Angst vor Krieg, Unterdrückung, Not, Hunger und Elend ihre Heimat verlassen, bedürfen unserer uneingeschränkten Unterstützung und Hilfe. Und da gehört es dazu, dass wir aktiv dafür sorgen, dass diese Kinder, Frauen und Männer sicher hier ankommen. Es ist nicht damit getan, mit einigen wenigen Schiffen auf dem Meer präsent zu sein und auf die Notrufe der Flüchtlinge zu warten. Es würde ganz Europa gut zu Gesicht stehen, wenn wir die Flüchtlinge dort abholen, wo skrupellose, geldgierige und menschenverachtende Schlepper sie auf eine oft tödliche Reise über das Mittelmeer nach Italien oder Griechenland zu bringen versuchen. Anstatt sehenden Auges die sich täglich abspielenden Katastrophen hinzunehmen und in endlosen Debatten über Quoten und Hilfspakete zu lamentieren, sollten wir dafür sorgen, dass die Flüchtlinge sicher in Europa ankommen. Und wenn sie einmal hier sind, sollten wir sie mit offenen Armen aufnehmen. Es gehört unendlich viel dazu, seine Heimat für immer zu verlassen und in einem völlig fremden Land, einer neuen Kultur mit einer unbekannten Sprache noch einmal ganz von vorne anzufangen. Wir müssen diese Menschen unterstützen, mit allen Mitteln, die zur Verfügung stehen. Dazu gehört auch, Zivilcourage zu beweisen und diesen verblendeten Idioten, die Flüchtlingsunterkünfte in Brand setzen, die Stirn zu bieten. Diesen Fanatikern müssen wir zeigen, dass sie in unserem Land dafür keine Unterstützung finden. Und den Flüchtlingen müssen wir beweisen, dass sie in unserem Land herzlich willkommen sind und dass wir entschieden gegen jede Art von Fremdenhass einstehen. Rainer Weinand, Maring-Noviand Wer ist schuld am Elend im Paradies? Das millionenfache Flüchtlingselend und das Ertrinken Tausender Bootsflüchtlinge lassen uns emotional nicht mehr zur Ruhe kommen. Diesen geschundenen Menschen zu helfen ist pure Menschenpflicht, doch mit Emotionen allein ist es nicht getan. Allzu ernst und schrecklich ist dieses Thema, als dass man es auf dem populistischen Niveau von Talkshows auf Showeffekte reduzieren dürfte. Immer das Gleiche: Wichtigmacher und Vielschwätzer aller Couleur (Ausnahmen bestätigen die Regel) baden sich in Emotionen, palavern disziplinlos durcheinander, beschuldigen sich gegenseitig, und die Augen der Moderatorin leuchten auf, wenn das "kompetente" Publikum in der Showarena Beifall klatscht. Wo bleiben die bohrenden Fragen nach den Ursachen des Elends, wo das klare Benennen von Fakten, das entschlossene Vorgehen der Vereinten Nationen gegen die Drahtzieher der globalen Misere? Warum ist das Elend der Bevölkerung in vielen afrikanischen Ländern himmelschreiend, obwohl sie reich an Bodenschätzen oder landwirtschaftlichen Ressourcen sind? Die Kolonialzeit ist nicht wirklich zu Ende: Nach wie vor beuten westliche Konsortien arme Länder mit Hilfe korrupter Regierungen und Potentaten aus, die sich die "Taschen vollstopfen", während ihr Volk hungert. Geflissentlich verschweigt man die infame Rolle mächtiger westlicher Nahrungsmittelkonzerne und westlicher Agrarpolitik, die landwirtschaftliche Entwicklung in armen Ländern im eigenen Interesse "plattmachen". Profiteure zocken an der Börse mit Grundnahrungsmitteln, treiben die Preise - etwa für Reis - so hoch, dass sie für arme Länder unbezahlbar sind. Alles in allem: A moralischer, profitgieriger Raubtierkapitalismus im Konstrukt aus postkolonialer Unterdrückung und korrupter Häuptlingsmentalität ist der Haupttäter am Elend der Massen. Manfred Schmitz, Flußbach Zu den Brandanschlägen auf Wohnheime und Unterkünfte für Flüchtlinge wie vor einigen Tagen in Limburgerhof in der Pfalz kann ich nur sagen: Nichts ist unermesslicher als das Weltall und die menschliche Dummheit. Wer Waffen liefert, muss auch Flüchtlingen Schutz gewähren. Ist es sehr provokativ, zu fragen, ob man die Flüchtlinge nicht auch in den Villen der Rüstungsmanager unterbringen soll? Helmut Adrian, Gerolstein