Gesellschaft

Zur Berichterstattung über die Flüchtlingskrise und das Ringen der Politik um eine Lösung diese Meinungen:

Im Wartezimmer eines Arztes hatte ich neulich die Gelegenheit, dem Gespräch zweier Frauen zuzuhören. Beide berichteten stolz von ihren Enkeln, von ihrer Freude über die Möglichkeiten, die unsere Kinder heutzutage in unserem Land haben, von der Frühförderung bis hin zum Ballettunterricht und sogar dem Fußballunterricht für die kleinen Mädchen. Insgesamt wären die Kinder heute ja sowieso weiter als früher. Im Großen und Ganzen war es ein freundliches, leichtes Gespräch zwischen zwei Menschen, die sich die Wartezeit etwas angenehmer gestalten wollten. Als ihre Unterhaltung aber auf den ja jetzt so aktuellen "Flüchtlingsstrom" hinsteuerte, verfinsterten sich nicht nur ihre Mienen, sondern auch ihre Gesprächsführung. Plötzlich fielen auf der einen Seite Sätze wie "notfalls müssen die Grenzen auch mit Waffengewalt gesichert werden", "warum sollen wir nicht auch Zäune ziehen, alle anderen tun es doch auch", wohingegen das Gegenüber eine gänzlich andere Meinung vertrat. Die Stimmung lud sich mehr und mehr auf, und der scharfe Ton, der sich zum Ende einschlich, war im Nachgang das eigentlich Besorgniserregende. Zwei ideologische Lager in einem kompromisslosen Raum?! Fest steht: Das soziale Klima wird rauer, Blickrichtungen werden nationalstaatlicher, populistische Aussagen werden salonfähig, untermauert mit "man wird das doch wohl mal sagen dürfen", und rechte Gruppierungen formieren sich als Bürgerwehr im Dienste der Frauenrechte und ihrer Verteidigung. Mit dieser Art und Weise werden wir wohl der Herausforderung (und Chancen) des Zuzugs nicht gerecht. Nötig ist eine klug gesteuerte Einwanderungspolitik in Deutschland, Stichwort Einwanderungsgesetz, eine faire Verteilung der Flüchtlinge auf ganz Europa, Entlastung der Ehrenamtlichen durch klar definierte Strukturen und vor allem - auch wenn es noch so schwülstig klingt - eine Kultur der Barmherzigkeit. Packen wir es an! Heidi Schuler, Veldenz Wann ist endlich Schluss mit dem Machtgehabe in der Flüchtlingspolitik? Es zeugt nicht gerade von Geschlossenheit, von Größe, von Hilfsbereitschaft, wie sich einige Volksvertreter derzeit parteiintern, oppositionell und nach außen hin im Hinblick auf eines der wichtigsten Themen der Gegenwart und Zukunft verhalten. Parteiinterne Querelen und der Hickhack der Regierungsparteien tragen nicht zur Lösung der Mammutaufgabe bei, sondern sind ein Indiz für Hilflosigkeit/Überforderung, gemeinsam an einem mehrheitlich getragenen Lösungskonzept zu arbeiten. Im Gegenteil: Gestärkt werden Bewegungen, die Angst schüren und Zulauf von Menschen haben, die sich in ihren Gefühlen und Bedenken nicht wahrgenommen fühlen. Hier fehlt es an einer vertrauensbildenden Aufklärung. Jeder Minister oder auch "Möchtegern-Minister" eröffnet neue Baustellen, die sich kontraproduktiv auf das Gesamtkonzept auswirken. Zu viele und nicht koordinierte Baustellen auf den Straßen führen zu Staus, und letztendlich enden diese im Verkehrschaos. Wir brauchen kein Chaos, sondern vertretbare Konzepte. Ohne eine gemeinsam getragene Lösung in Deutschland kann es auch keine gemeinsame Lösung für Europa geben. Kann die EU die an Europa gestellte Aufgabe nicht lösen. Die Politik kann von Glück sprechen, dass sich Tausende von ehrenamtlichen Helfern für die Erstversorgung und -hilfe einsetzen: spontan, direkt, unkompliziert, effektiv. Diese unmittelbare Hilfe hätte die Politik so nie leisten können. Man hätte über die Farbe der Bettlaken oder die biologische Herkunft der Frühstückseier debattiert. Einigkeit in der Politik und die Durchsetzung des in Artikel 16a Grundgesetz gewährleisteten Asylrechts sind mehr denn je gefragt. Gemeinsam kann man das schaffen. Wilhelm Jonas, Kelberg