GESELLSCHAFT

Zum Artikel "Dreht Regierung Kirche Geldhahn zu?" (TV vom 8. November):

Luxemburg plant ein Referendum zur Abschaffung der 200 Jahre andauernden Kirchensubventionen. Die Situation zwischen Staat und Kirche ist in Deutschland und Luxemburg ähnlich, und daher bewundere ich den Mut der Luxemburger für dieses Vorgehen. Zwar haben auch wir durch die Weimarer Reichsverfassung das politische Versprechen bekommen, von diesen Lasten befreit zu werden, aber wie das mit Politik und Versprechen nun mal so ist … Die Angst vor einer armen, einflussschwachen Kirche sitzt anscheinend zu tief in der Gesellschaft. Es ist so schön einfach, wenn sie die Deutungshoheit hat, und ganz unterschwellig hängt ein Großteil der Menschen in und an ihr. Für gute Christen kann das auch keine Selbstanmaßung sein. Wie sonst erklärt man sich christlich motivierte Schulferien, größtenteils christliche Feiertage, teilweise mit Tanzverboten, einen Gottesbezug in der Verfassung, staatlich verordneten Religionsunterricht, christliche Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser, zu 90 Prozent vom Staat bezahlt, und eigenes kirchliches Arbeitsrecht. Dabei würden viele Menschen auf diese aufgezwungene Form der Nächstenliebe verzichten. Es mag für viele nicht einsichtig sein, doch ist es ganz einfach: Die Trennung von Staat und Religion ist - in Deutschland wie in Luxemburg - überfällig. Stattdessen beharren wir auf der Bevorzugung und Bezuschussung der christlichen Kirchen. Dies führt zu einer Unterdrückung aller Nichtchristen. Sie finanzieren die Kirchen mit, sie langweilen sich am Karfreitag, müssen ihre Kinder christlich erziehen lassen und dürfen nicht mal sterben, wenn sie es nicht mehr aushalten können. Christen sollten sich bewusst machen, dass eine vollständige - also moralische und finanzielle - Trennung von Staat und Kirche die religiöse Freiheit eines jeden Einzelnen, auch eines Christen, fördert und wahrer Nächstenliebe gleichkommt. Und so hoffe ich, dass in Luxemburg die richtige Entscheidung getroffen wird, als laizistisches Leuchtsignal für offene und bewusste religiöse Toleranz, auch in Deutschland. Andreas Thieltges, Sirzenich