Gesellschaft

Zu Berichten und Kommentaren über die schleppende Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche:

Es ist unerträglich, wie die Kirchenführung mit der Wahrhaftigkeit umgeht! Kein Wunder, wenn es zu sexuellen Übergriffen an Menschenkindern kommen konnte. Vor Gericht wäre es schlichtweg eine strafbewehrte Falschaussage, also eine glatte Lüge, wenn die Wahrheit wider besseres Wissen so unterdrückt würde, wie es hier geschieht. Die umfassende Wahrheit kann es nicht sein, Betroffenen nur so weit Antwort/Akteneinsicht zu gewähren, wie explizit gefragt wird, und sonst zu mauern. Das ist Wahrheitsunterdrückung, die weder von Gott noch dem Gesetz gebilligt wird, und hat mit Aufklärung und Wahrhaftigkeit nichts zu tun. Die Amtskirche muss vom hohen Ross herunter. Die Menschen lassen sich nicht mehr (wie im Mittelalter) an der Kandare führen. Wen wundert es, wenn in der Öffentlichkeit gesagt wird und man ohne viel Gegenrederecht mitanhören muss: Menschen, die sich der Wahrheit so verschließen, haben sicher selbst Dreck am Stecken und Angst, dass dies herauskommt. Von der Kanzel herunter wird Wasser gepredigt, aber Wein getrunken. Staat im Staate, auch als Arbeitgeber und in sonstigen Bereichen. "Die" sollen vor der eigenen Türe kehren. Der Hehler ist so gut wie der Stehler. Wobei man zum letzteren Vorwurf sagen muss, dass die Sexualstraftäter ihre niederen Triebe nicht beherrschten, die Vertuscher aber vorsätzlich, aus falsch verstandener Eitelkeit oder Solidarität und für die Kirche in höchstem Maße falsch und schädlich handeln. Im Übrigen würde es dem Ansehen der Kirche sehr gut tun, wenn sie nicht nur verbal über die Verbrecher des "Dritten Reichs" wettern würde, sondern zugeben würde, dass das mit ausdrücklicher Zustimmung Hitlers am 24. Juli 1933 vom Papst unterzeichnete "Reichskonkordat" ein Fehler war. Felix Assmann, Morbach