GESELLSCHAFT

Zu den Artikeln "Tod junger Amerikanerin befeuert Debatte über Sterbehilfe" und "Die Welt ist ein wunderbarer Ort" (TV vom 4. November):

Durch den Freitod der erst 29 Jahre alten US-Amerikanerin Brittany Maynard, die an einem unheilbaren Hirntumor litt, ist die Diskussion um die Hilfe zur Selbsttötung wieder entbrannt. Versetzen wir uns in die Situation eines Menschen, dem durch eine diagnostizierte schwere, unheilbare Krankheit ein monate- oder gar jahrelang währender Todeskampf unter unsäglichen Schmerzen bevorsteht. Mit welchem Recht wird einer solchen Person ein selbst bestimmtes und humanes Sterben in Würde verweigert? Warum müssen solche Menschen, weil ihnen kein Arzt zu einem sanften Tod verhelfen darf, in ihrer Verzweiflung zum Strick, zum Sprung von einer hohen Brücke oder zu noch primitiveren Mitteln greifen? Warum gibt es - als Gegenstück zu den Geburtskliniken - nicht auch Sterbekliniken? In solchen Häusern könnte Menschen, die mit ihrem Leben abgeschlossen haben, von berufener Hand die ersehnte und erlösende letzte Hilfe gewährt werden. Das dumme Gerede von der "gewerblichen Sterbehilfe" ist völlig unangebracht. Auch jedes Bestattungsinstitut muss von seiner Tätigkeit leben können. Oder sollen das vielleicht "Ehrenamtliche" machen? Wenn man einem Todkranken den letzten Rest seines Lebens schon nicht mehr erträglich gestalten kann, warum erleichtert man ihm dann nicht wenigstens das Sterben? Von der Kirche jedoch - und leider auch vom Staat, der sich in dieser Frage ganz nach der Kirche richtet - wird eine solche Sterbehilfe nach wie vor verboten. Dieselbe Kirche, die Millionen von Ungläubigen, Hexen und Ketzern verfolgte, folterte und abschlachtete, die das Morden unschuldiger und gesunder Menschen im Krieg für erlaubt erklärt und die Kanonen segnete, dieselbe Kirche besitzt die unglaublich perfide Selbstanmaßung, einem Sterben-Wollenden die Bitte um einen leichten und schnellen Tod zu verwehren. Reimund Weichsel, Wallendorf