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Gespensterjagd in der Bundeswehr

Gespensterjagd in der Bundeswehr

MIlitär

Zur Diskussion und der Berichterstattung über die Bundeswehr:
Bleiben wir doch "auf dem Teppich!": Männerrituale sind etwas ganz Normales, solange sie nicht ausarten. Es gibt sie in allen typischen Männergesellschaften, in allen Armeen dieser Welt.
Wenn sie ausarten, wie z. B. in der Bundeswehr-Kaserne in Pfullingen, liegt es an der mangelhaften Persönlichkeit des jeweiligen Kommandeurs, der seine Nachgeordneten nicht im Griff hat und zulässt, dass Respektlinien überschritten werden.
Militärische Befehls- und Ranghierarchien machen die Führung von Soldaten im Prinzip leicht, setzen aber Offiziere mit starker Persönlichkeit, guter Allgemeinbildung, vorbildlichem Verhalten und hoher Fachkompetenz voraus. Schwarze Schafe sind in der Führung der Bundeswehr eher selten.
Hysterisch und populistisch finde ich die jetzt angestoßene "Säuberung" der Kasernen von harmlosen Relikten und Traditionen der alten Wehrmacht. Was ist daran falsch, wenn Soldaten sich an Soldatentugenden, an Tapferkeit und Kameradschaft unserer Väter und Großväter orientieren, die fast alle politisch "sauber" waren und ihre Soldatenpflicht tun mussten? Die Wehrmacht war im Wesentlichen unpolitisch und nur marginal am schrecklichsten aller Verbrechen, dem Holocaust, beteiligt.
Tadellose, sorgfältig ausgewählte Offiziere und Unterführer der ehemaligen Wehrmacht waren ab 1955 doch gut genug, eine fest in der Demokratie verankerte Bundeswehr aus "Staatsbürgern in Uniform" neu aufzubauen.
Auch ich bin als Wehrpflichtiger von ihnen hart aber gründlich (nicht zum Weichei) ausgebildet worden. Damals wie später bei zahlreichen Reserveübungen in verschiedenen Truppenteilen, Stäben und Truppenschulen habe ich nie Entgleisungen erlebt. Das Offizierskorps bewies selbstverständlich Verfassungstreue und durchweg gute Führungsqualitäten.
Doch 60 Jahre danach entdeckt die Ministerin plötzlich die Wehrmacht als Nazi-Gespenst, macht sie zum "Schmuddelkind" und übt damit Verrat an allen ehemaligen Wehrmachtsangehörigen: Alles, was an die Wehrmacht erinnert, soll ausgelöscht werden, sogar die Namen von Kasernen. Dächte sie ihren wilden Aktionismus zu Ende, müsste sie auch die Schwärzung von Geschichtsbüchern, die Einebnung von Soldatenfriedhöfen und das Abreißen von Kriegerdenkmälern fordern; schlimmer noch: Sie müsste einige westliche Armeen ächten, weil sie Kriegsverbrechen begangen haben, wie die USA an Vietnam, die Franzosen am Maghreb usw.
Man mag`s nicht glauben: Die Verteidigungsministerin macht Jagd auf Wehrmachtsembleme, aber radikale Moslems lässt man frei herumlaufen.
Der Führung der BW pauschal niederen Korpsgeist und Führungsschwäche zu unterstellen, ist eine unqualifizierte, beleidigende Fehleinschätzung der Verteidigungsministerin.
Manfred Schmitz
Flußbach