Gesundheit

Zum Artikel "Bürgerbeauftragter kritisiert Kontrollen bei Krankmeldung" (TV vom 12. April):

Dem Bürgerbeauftragten ist generell zuzustimmen, dass "ein Krankenstand von 1,5 Prozent bei den Alg-II-Empfängern (…) sehr gering ist". Aus meiner Erfahrung ist es schwer nachvollziehbar, unter dieser Prämisse ein allgemeines Kontrollverfahren zu begründen, zumal die Arbeitsunfähigkeitsstatistik bei den übrigen Versicherungsnehmern immerhin bei etwa fünf Prozent liegt. Die Arbeitsverwaltung agiert als Quasi-Arbeitgeber und könnte meines Wissens schon jetzt bei begründeten Zweifeln an der Arbeitsunfähigkeit den Arbeitslosengeld-Empfänger über die Krankenkasse zur Überprüfung der Arbeitsunfähigkeit beim Medizinischen Dienst (MDK) vorladen lassen. Warum hier also eine allgemeine Drohkulisse gegen eine Versichertengruppe aufgebaut wird, ist nicht nachvollziehbar. Merke: Die Arbeitsunfähigkeit bestimmt nicht der Arzt, sondern letztendlich der Kranke selbst. Wer hartnäckig ist, kann alle Kontrollmechanismen unterlaufen. Arbeitslosengeld-Empfänger sind nicht kränker als der übrige Teil der Bevölkerung. Die Arbeitsverwaltung wäre gut beraten, ihre Interna zu überprüfen. Und ob der MDK glücklich über eine derartige Lösung wäre, wage ich zu bezweifeln, wenn er als verlängerter Arm der Arbeitsverwaltung fungieren soll, um dieses Scheinproblem mit rechtlichen Auseinandersetzungen zu "lösen". Dr. med. Jürgen Trarbach, Kleinich