Gesundheit

Zur Berichterstattung über die Beckenverletzung von Angela Merkel:

Auf den ersten Blick (aber nur auf den ersten) sieht es ja noch gut aus. Krank, Beckenbruch … und trotzdem vorbildlich noch vom "Home office" weiterhin arbeiten? Nein, gar nicht vorbildlich! Was glaubt denn unsere Kanzlerin, wie Tausende von Vorgesetzten und Chefs darauf reagieren? "Wie, du bist krank? Nimm dir mal ein Beispiel an Frau Merkel, die geht trotzdem zur Arbeit." Das sind die Worte, die unsere Kollegen (egal ob schwerbehindert oder nicht) zurzeit in den Betrieben und Dienststellen zu hören bekommen. Als Schwerbehindertenvertreter in unserer Dienststelle bemühe ich mich seit Jahren, den Kollegen die Angst vor Arbeitsunfähigkeit zu nehmen. Es kann nicht sein, dass sie arbeiten gehen, obwohl sie eigentlich wegen Krankheit ins Bett gehören. Und dies nur, weil sie Angst vor eventuellen Folgen (Kündigung, Mobbing, Gehaltsverlust) haben. Wer krank ist, gehört nicht in die Arbeit! Frau Merkel hat sich anscheinend nicht überlegt, was durch ihr Verhalten ausgelöst wird. Die Medien unterstützen dies auch noch, indem sie die Kanzlerin als Heldin auf Krücken loben. Wenn der Chef einer Firma sich mit Fieber oder Beckenbruch in sein Büro schleppt (auch das ist nicht gut) und er seinen Mitarbeitern etwas beweisen will, dann ist das seine Sache. Eine Kanzlerin hat jedoch eine herausragende Vorbildfunktion und sollte sich dessen bewusst sein. Ich hoffe, es ist noch nicht zu spät zum Umdenken. Ganz abgesehen von der versicherungsrechtlichen Seite. Was ist denn, wenn durch mangelhafte Rekonvaleszenz bleibende Schäden entstehen? Wer kommt denn dafür auf? Wir? Wahrscheinlich nicht. Denn wir haben dann nicht mehr die notwendigen Gesundheitsreserven, um solche (Mehr)Belastungen zu stemmen. Michael Lentz, Trier