Gesundheit

Zum Artikel "Die richtige Menge Speisesalz" (TV vom 6. September):

Wenn der TV seine Leser auf die Höhen der akademischen Kochsalzdebatte führt, wäre es schön, neben der ausführlich referierten Argumentation der "Kochsalz-Skeptiker" auch die Gründe zu erfahren, die eine große Zahl von akademischen Medizinern, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die "American Heart Organisation" die zu den genannten kritisierten Empfehlungen veranlasst haben. Beispielsweise hätte man die "Northern Manhattan Studie" zitieren können (Zeitschrift "Neurology", "Dietary Sodium and risk of Stroke...", online seit 12. April 2012), die aufzeigt, dass unabhängig von anderen Risikofaktoren auch der Kochsalzkonsum nahezu linear mit dem Schlaganfallrisiko zusammenhängt. Außerdem gibt es neuerdings Hinweise auf ein erhöhtes Demenzrisiko bei höherem Salzkonsum. Die in dem Artikel dargestellte Verschlechterung eines Diabetes ist eine rein experimentelle Beobachtung ohne Hinweis auf praktische Relevanz. Eine Gefahr infolge "zu wenig Salz" ergibt sich nur bei speziellen Krankheiten der Nieren und Nebennieren sowie bei regelmäßiger Einnahme von entwässernden Medikamenten. Grundsätzlich können wir davon ausgehen, dass unser Körper an den Salzmangel vorzivilisatorischer Zeiten bestens angepasst ist. Vielleicht sollte man, bevor man derartig ins akademische Detail geht wie in diesem Artikel, doch mit Spezialisten Rücksprache nehmen. Nach ähnlichen Artikeln in der gehobenen Wochenpresse kann der Eindruck entstehen, es handele sich um eine Kampagne von interessierter Seite, beispielsweise der reichlich Salz anbietenden Lebensmittel- und Junk-Food-Branche. Immerhin wurde die europaweit geplante, eingängige "Rot-Gelb-Grün" Markierung bei Lebensmitteln ja schon erfolgreich hintertrieben. Jörg Wiesenfeldt, Trier Anm. d. Red.: Der Autor arbeitet als Neurologe im St.-Elisabeth-Krankenhaus Wittlich.

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