GESUNDHEIT

Zum Artikel "Kiffen auf Rezept" (TV vom 5. Februar) diese Meinungen:

Man höre und staune: Die deutsche Politik ringt sich tatsächlich dazu durch, schwerkranken Menschen helfen zu wollen - und das mit Hanf. Ja, wirklich mit der uralten heimischen Kulturpflanze Hanf! Die Studien und Untersuchungen, die die heilende und vorbeugende Wirkung belegen, sind zwar jahrzehntealt, für unsere hochkompetenten Volksvertreter allerdings ganz frisch und neu. Wie ist das jetzt aber mit "normal" kranken Menschen? Sie könnten ja mit dieser Naturmedizin vor einer Verschlimmerung ihres Leidens bewahrt werden. Soll das verhindert werden? Sollen die "Normalkranken" erst mal alle richtig gelitten haben? Müssen erst all die Pharmaprodukte mit ihren schädlichen Nebenwirkungen geschluckt werden, bevor man das Recht und die Gnade erlangt, dieses nachgewiesenermaßen harmlose Heilkraut zu benutzen? Und wie gehen die Ärzte damit um? Gilt der hippokratische Eid nur in ganz schlimmen Fällen? Muss nicht jedem Patienten bestmöglich geholfen werden? Es ist wohl eher so, dass all die grundsätzlichen Fragen zu diesem Thema immer noch unerwünscht sind. Norbert Kroon, Wittlich Die aktuelle Diskussion über Cannabis kapriziert sich auf die Legalisierung des Anbaus, lässt aber Wesentliches außer Acht. Die Anwendung von Cannabis in der Medizin, und hier speziell der Schmerzmedizin, erscheint als etwas Brandneues. Bereits seit dem Aufschwung von Cannabis vor mehreren Jahren setzen wir bei Patienten auf der Palliativstation Cannabis ein, allerdings in vom Apotheker hergestellter Tablettenform. Es hilft, schwere Übelkeit zu lindern und den Appetit zu steigern. Leider mussten wir uns schnell belehren lassen, dass sich gerade Schmerzen nur bedingt lindern lassen, auf jeden Fall schlechter als mit Opioiden (zum Beispiel Morphin). Bei Menschen, die unter stärksten, chronischen Schmerzen leiden, befeuert die Diskussion die Hoffnung auf ein Wundermittel, die Cannabis nicht erfüllen kann. "Eigene" Erfahrungen mit gerauchtem Cannabis fehlen mir, es gibt auch einzelne Schmerzformen, beispielsweise bei MS, die gut ansprechen. Wird aber die medizinische Anwendung von schnell und damit euphorisierend wirkendem Cannabis erlaubt, müssen wir uns einer weiteren medizinethischen Diskussion stellen: Dürfen unerträgliche Beschwerden mit Rauschmitteln behandelt werden? Dr. med. Lorenz Fischer, Arzt für Schmerz- und Palliativmedizin, Trier