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Automobil: Gewaltiger Fehlschluss

Automobil : Gewaltiger Fehlschluss

Zur Berichterstattung über E-Mobilität und zu den Leserbriefen „Eine der größten Umweltsünden“ von Dr. Karl-Georg Hermans (TV vom 2. Dezember) und „Global betrachten“ von Petra Lauer (TV vom 16. Dezember) schreiben Prof. Dr. Rolf Linn und Gisela Kannenberg:

Dr. Karl-Georg Hermans und Petra Lauer kritisieren zu Recht Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen durch den Abbau von Rohstoffen zur Batteriefertigung für Elektrofahrzeuge. Da könnte man meinen, es sei besser, bei den Verbrennungsmotoren zu bleiben. Das aber ist ein gewaltiger Fehlschluss: Die zerstörerischen Auswirkungen der Ölförderung sind nur deshalb nicht so sehr im allgemeinen Bewusstsein, weil wir uns seit Jahrzehnten daran gewöhnt haben.

So hat zum Beispiel die Ölförderung im Niger-Delta verheerende Auswirkung auf das Leben und die Gesundheit der örtlichen Bevölkerung. Boden, Wasser und Luft sind verseucht. Auch die Lebensgrundlagen der Lubicon Cree im Kanadischen Bundesstaat Alberta werden seit Jahrzehnten durch den Ausbau der Öl- und Gasindustrie zerstört. Ähnliche Probleme gibt es in Kamerun, Ecuador, Sudan, Sibirien, Tschad und anderswo.

Hinzu kommen die Umweltkatastrophen durch die auch nicht seltenen Tankerunfälle. Vergessen wir auch nicht die zahlreichen Kriege zur Sicherung der Ölversorgung.

Zusätzlich tragen die Verbrennungsmotoren nicht unerheblich zum Klimawandel bei. Hier droht eine Katastrophe, zu der im Vergleich das oben Geschilderte harmlos ist. Wenn wir schon auf individuelle Mobilität nicht verzichten wollen, dann sollten wir wenigstens elektrisch fahren. Setzen wir uns dafür ein, dass beim Abbau der erforderlichen Rohstoffe Umwelt und Menschenrechte geachtet werden. Fordern wir Recycling-Systeme zur Wiederverwertung der in den Batterien enthaltenen Rohstoffe.

Machen wir uns auch bewusst, wenn wir im 21. Jahrhundert zehn Milliarden Menschen auf unserem Planeten ein gutes Leben ermöglichen wollen, dann müssen wir unseren Lebensstil ändern. Vielleicht können wir mit weniger Verkehr auch gut leben.

Prof. Dr. Rolf Linn, Trier

Ich betrachte die Verherrlichung der E-Mobilität genauso kritisch wie Petra Lauer und stimme ihren Argumenten dagegen ohne Einschränkung zu.

Gisela Kannenberg, Daun