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Politik: Götterdämmerung?!

Politik : Götterdämmerung?!

Zur Berichterstattung über die Regierung Merkel schreibt Josef Käser:

Wenn ich mir die Kommentare der letzten Tage und Wochen in Bezug auf unsere Bundeskanzlerin ansehe, dann erübrigen sich doch alle weiteren Anschuldigungen über Versäumnisse, Fehler oder falsche Strategien. Die Schuldige ist im Endeffekt immer die Kanzlerin, egal welche Ministerin oder Minister die tatsächliche Schuld tragen. Man nehme nur „Nord Stream“, jetzt soll es nur Putins Reputation dienen, die zweifellos vorhandenen Menschenrechtsverletzungen in Russland auch als Grund für die Beendigung dieses Projekts dienen. Nein, als „Nord Stream“ anfing, war man, mit Ausnahme von Amerika, doch Feuer und Flamme, ein ehemaliger sozialdemokratischer Bundeskanzler sitzt doch in der Führungsetage diverser Unternehmen mit seinem „lupenreinen demokratischen Freund“. Damals war noch alles rechtens, jetzt ist nichts mehr wahr, die Kanzlerin ist schuld. Punkt. Nehmen wir doch die Corona-Pandemie. Angela Merkel hat sich immer gegen zu frühe Lockerungen gewehrt, und im Endeffekt hat sie immer recht gehabt, wir bekamen die „zweite Welle“.

Welcher Personenkreis hat denn den Weg der Be- und Einschränkungen geprägt, das waren doch wohl die Ministerpräsidenten, die nach ihrem eigenen Landes-Gusto schon die Vereinbarungen brachen, als diese noch gar nicht öffentlich verkündigt worden waren oder noch schlimmer im Vorgriff auf die Konferenzen schon andere Wege andeuteten. Dasselbe Spiel kann jetzt mit dem Impfdesaster weitergehen. Klar ist: Wer auf die Karte „Europa“ gesetzt hatte, bekam Karo Sieben in die Hand. Auch hier hat die Bundeskanzlerin nicht gerade geglänzt, aber die alleinige Schuld trägt sie bei weitem nicht.

Hier sind andere Politiker zu befragen, vor allem Ursula von der Leyen und das Europaparlament. Aber dort ist man mit Ausreden und Beschuldigungen schnell bei der Hand, wie im übrigen auch in der deutschen Politik. Kritik muss immer erlaubt sein, aber sie sollte nicht parteilich und unvoreingenommen sein. Ich stelle fest, dass die Bundeskanzlerin in ihrer gesamten Regierungszeit zwar Fehler gemacht hat, aber sie jetzt so zu behandeln, als wäre sie an allem schuld, das kann ich so nicht im Raum stehen lassen. Sie hat ihre Pflicht mehr als erfüllt und wir sollten ihr dankbar sein, was sie für unser Land geleistet hat.

Josef Käser, Daun