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Landwirtschaft: Grausame Realität

Landwirtschaft : Grausame Realität

Zur Berichterstattung über Tiertransporte schreibt Markus Franzen:

Bereits vor einigen Monaten habe ich einen Bericht in der ARD über weltweite Transporte von Schlachtvieh in afrikanische und arabische Länder gesehen. Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich, Viehhändler und Schlachtbetriebe hätten ein natürliches Interesse daran, dass die Tiere gesund und kräftig ankommen. Denn dementsprechend wäre auch die Fleischqualität.

Der Bericht zeigte jedoch die grausame Realität der Vieh-Transporte mit Ziel Afrika und Asien sowie der dortigen Schlachtpraxis. In welcher abscheulichen Art und Weise mit diesen Tieren umgegangen wird, ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Menschen, die Tiere so verachtend brutal quälen und diese Vorgänge mit zu verantworten haben, stehen auf gleicher Stufe mit radikalen Terroristen und Kriegsverbrechern. Was ich in diesem Bericht gesehen habe, geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Dass auch Tiere aus Deutschland in afrikanischen und asiatischen Schlachtbetrieben landen, ist für mich unfassbar.

Immer niedrigere Erzeugerpreise und weiter steigende bürokratische Regulierungen in den letzten Jahrzehnten haben zu immer mehr Spezialisierung in der Landwirtschaft und den verarbeitenden Betrieben von landwirtschaftlichen Produkten geführt. So haben unsere Landwirte heute kaum noch Einfluss darauf, in welchen Schlachtbetrieben ihre Tiere am Ende landen. Metzgereien, in denen noch selbst geschlachtet werden darf, gibt es kaum noch. Viehhändler sind heute nicht mehr bei Schlachtbetrieben angestellt, sondern selbständig und untereinander gut vernetzt. Unser Wohlstand braucht eine steigende oder zumindest stabile Wirtschaftsleistung. Dies ist aber in hochentwickelten Industriestaaten überwiegend nur noch durch Konsum möglich. Diese Spirale, verbunden mit der fehlgesteuerten Preispolitik für Lebensmittel in den letzten Jahrzehnten, führt bei vielen in unserer Gesellschaft zu ausufernder Profitgier, die anscheinend keine Skrupel mehr kennt. Das spiegelt sich denn auch in den Machenschaften der Viehhändler wider, die nicht hinnehmbar sind. Ich erwarte von der Justiz, dass sich die Verantwortlichen dieser erbärmlichen Tierquälereien vor Gericht verantworten müssen. Nicht nur die Fahrer der Transportunternehmen, sondern vor allem die Organisatoren. Die Politik ist gefordert, den Strafrahmen für Verstöße gegen das Tierschutzgesetz deutlich auszuweiten und Transporte von Schlachtvieh in Länder außerhalb der EU zu verbieten. Dies wäre mit einem EU-weiten Exportverbot von Schlachtvieh in Länder außerhalb der EU möglich. Parallel dazu sind Einfuhren von Fleisch und Wurstprodukten aus Nicht-EU-Ländern wieder mit Zöllen zu belegen, damit das Verramschen kostbarer Lebensmittel und vielleicht auch die Verschwendung ein Ende finden. Das sind sicher keine leichten Aufgaben für unsere Politiker, aber sie sind notwendig für mehr Respekt gegenüber der Kreatur. Das sind wir unseren Nutztieren schuldig.

Markus Franzen, Schillingen