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Gesundheit: Grenzerfahrungen – mal so, mal so

Gesundheit : Grenzerfahrungen – mal so, mal so

Zur Berichterstattung über die Corona-Krise schreiben Hermann Dellwing, Konrad Theis, Daniel Karl, Heike Wacht, Helmut Adrian und Lutz Irmscher:

Viele Staatsmänner wurden durch einen Satz unsterblich, beispielsweise John F. Kennedy durch den Satz „Ich bin ein Berliner“. Angela Merkel könnte das auch passieren mit ihrem Ausspruch „Wir schaffen das“.

Wenn ich mir die aktuelle Berichterstattung im TV hinsichtlich der Grenzöffnungen so anschaue, befürchte ich, dass der Begriff „Öffnungsdiskussionsorgien“ den Platz von Frau Merkel in der Geschichte zusätzlich untermauern könnte. Man gewinnt den Eindruck, Corona war gestern und nun gilt wieder „Heidewitzka, Herr Kapitän“, unabhängig von der wirklichen Lage.

Ich hoffe nur, dass meine Befürchtungen gegenstandslos sind.

Hermann Dellwing, Hermeskeil

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der schon viele seltsame Entscheidungen getroffen hat, hält immer noch an den Grenzkontrollen von und nach Luxemburg fest. Warum ist dazu von den Bundestagsabgeordneten aus den grenznahen Wahlbezirken nichts zu hören, besonders von denen aus der Schwesterpartei CDU? Da die Zahl der mit Corona Infizierten in Luxemburg und Rheinland-Pfalz auf niedrigem Niveau liegen, wäre ein Ende der Grenzkontrollen zu verantworten.

Ganz zu schweigen davon, dass Seehofer seinem Unionsfreund Laschet genehmigte, die Grenze, zu Belgien und Holland offen zu lassen. Diese Entscheidung kann man nicht nachvollziehen. So geht das Vertrauen in die Politik mit den zur Zeit handelnden Politkern verloren. Warum äußern sich die Bundestagsabgeordneten aus den hiesigen Wahlkreisen nicht zu dem Thema? Warum haben sie nicht parteiübergreifend zusammen mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Vorfeld des 6. Mai (Beratungstag bei der Kanzlerin) den Unmut der Rheinland-Pfälzer und der Luxemburger Regierung publik gemacht? Stattdessen haben sie lieber den Bürgermeistern der grenznahen Gemeinden diesseits und jenseits der Grenze den Part des Unmuts überlassen, die entsprechende Schreiben an den Bundesinnenminister adressiert haben.

In diesem Zusammenhang frage ich mich, ob die originäre Aufgabe der Abgeordneten, sich für Angelegenheiten der Bevölkerung und der Wirtschaft in ihren Wahlkreisen einzusetzen, durch Corona abhandengekommen ist. Hoffentlich lernen die Abgeordneten aus der Pandemie und hinterfragen ihr Verhalten.

Konrad Theis, Trier

Die Grenze zu Luxemburg ist nun schon seit Beginn der Krise zu, obwohl es dafür keinen Anlass gibt. In Frankreich herrscht eine strikte Ausgangssperre, die Menschen dürfen nur eine Stunde pro Tag vor die Tür. Dagegen sind die Grenzen zu Belgien und den Niederlanden immer offen geblieben, obwohl Belgien die höchste Zahl an Corona-Toten pro Kopf weltweit aufweist. Der Vergleich zeigt, dass Ministerpräsidentin Dreyer seit ihrem Rückzug aus der Spitze der Bundes-SPD ihren Einfluss in Berlin verloren hat. Sie ist zu einer lahmen Ente geworden. Sie konnte in der Corona-Krise die Interessen ihres Landes nicht durchsetzen, und sie wird es auch künftig nicht mehr tun können. Im Frühjahr 2021 sind Wahlen, und ihre Bilanz ist düster. Man kann sich an keine nennenswerte Initiative der Landesregierung erinnern, im Gedächtnis wird nur bleiben, dass der bereits langanhaltende Niedergang des Bildungssystems in Rheinland-Pfalz jetzt auch in den Köpfen der Bürger angekommen ist.

Die Corona-Krise war die Chance für Dreyer zu zeigen, dass sie doch etwas bewegen kann. Ihre Landesregierung hat versagt, das Agieren anderer Bundesländer wirkte professioneller und zielgerichteter. Die Kultur wurde ganz vergessen. Es ist vielleicht auch unfair, von einer Ministerialbürokratie, die darauf getrimmt ist, Propagandakampagnen zu entwerfen, um das Nichtstun der Regierung in ein schönes Licht zu rücken, die Bewältigung einer Krise zu erwarten.

Im Jahr 2019, vor Corona, hatte Rheinland-Pfalz als einziges Bundesland neben dem Saarland schon ein negatives Wirtschaftswachstum. Trier steht insbesondere wegen der Grenzschließung vor einer langanhaltenden Rezession, genügend Luxemburger werden aus Verärgerung gar nicht mehr kommen.

Die Ministerialbürokratie schaltet schon wieder in den Propagandamodus und nutzt Steuergelder, um Wahlkampf für die SPD zu machen. Die Staatskanzlei postete nun ein Foto der SPD-Mitglieder Barley, Dreyer und Leibe unter dem Wappen des Landes mit der Forderung nach Grenzöffnung. Dreyer nutzt also Steuergelder für Werbezwecke in eigener Sache (offiziell Informationsvermittlung), um sich eventuell an der Macht halten zu können. Besser wäre, dass sie sich ihre mangelnden Führungsqualitäten eingesteht und durch einen Rückzug den Weg für den notwendigen politischen Neuanfang in Rheinland-Pfalz freimacht.

Daniel Karl, Igel

Wäre Hunger ansteckend und würde er sich durch ein Hungervirus global verbreiten, bin ich sicher, dass sich die Zahl der jährlich laut Vereinten Nationen neun Millionen Hungertoten, davon zwei Drittel Kinder unter fünf Jahren, deutlich verringern würde. Dem Hunger fallen weltweit täglich 25 000 Menschen zum Opfer!

Es ist mir absolut unverständlich, dass massive, Menschenleben kostende „Zustände“, eine derart geringe Aufmerksamkeit erlangen, aber wenn es uns plötzlich „an den Kragen“ geht, Maßnahmen ergriffen werden, die absolut unverhältnismäßig sind, die Welt stillstehen lassen, unvorstellbare Summen freisetzen und unsere Grundrechte einschränken. Wieso retten wir nicht auch die Menschenleben, die wir ohne Wissenschaftler, Virologen, Medikamente, Impfungen, Kontaktverbote retten könnten, und helfen bei der Bekämpfung von Hunger? Vor allem Kinder, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, hätten eine Zukunft.

In welcher Welt leben wir?

Heike Wacht, Körrig

Neben der Abstandsregelung sollte auch die Anstandsregelung befolgt werden.

Helmut Adrian, Gerolstein

Zu einem Leserbrief unter der Überschrift „Die wirklich wichtigen Dinge“ (TV vom 6. Mai):

Ich ziehe den Hut vor Jaime Luz y Graf und seiner 35-jährigen Tätigkeit als Krankenpfleger. Vielen Dank dafür. Trotzdem einige Anmerkungen: Wer schützt oder hat die geschützt, die durch Herzinfarkt, Schlaganfall oder sonstige Krankheiten gestorben sind, weil sie vielleicht nicht rechtzeitig ins Krankenhaus gegangen sind? Wer schützt oder hat die Kinder geschützt, die durch Problemfälle zu Hause verstört und gestört in die Zukunft gehen? Wer weiß, wie viele Existenzgründer oder Kleinunternehmer Hab und Gut verloren haben? Dass Profifußballer ihren Beruf ausüben wollen, ist doch legitim. Bei Autokonzernen laufen ja auch die Bänder wieder, obwohl Millionen Menschen in Kurzarbeit stecken und Kleinselbstständige wohl Jahre brauchen, um wieder ein einigermaßen normales Leben zu haben. Die Bundesliga hat ja nicht nur Fußballer, sondern auch circa 60 000 Beschäftigte. Fast alle Spieler verzichten auf Gehälter oder haben gesammelt, um diesen Menschen einen Ausgleich zu zahlen zum Kurzarbeitergeld.

Natürlich, jeder Tote ist einer zu viel. Leider müssen wir alle damit rechnen zu sterben. Ich gehöre aus Altersgründen auch zur Risikogruppe. Bei der letzten großen Grippewelle starben mehr als 25 000 Menschen. Alles lief normal, auch die Politik. Warum ist das heute anders? Steckt da mehr dahinter? Auf jeden Fall Abstand und Maulkorb – und alles lebt sich auseinander. Enkel und Urenkel müssen halt ohne Großeltern auskommen. Alles hat zwei Seiten.

Lutz Irmscher, Wintrich