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Katholische Kirche: Grotesk und hanebüchen

Katholische Kirche : Grotesk und hanebüchen

Zu den Leserbriefen „Hinnehmen, verharmlosen, vertuschen [...]“ (TV vom 14./15. März), „Mehr Gutes als Böses“ (TV vom 25. März) und „Es ist längst nicht vorbei“ (TV vom 2. April) schreibt Hermann Meyer:

Beim Lesen des Beitrags „Mehr Gutes als Böses“ drehte sich mir der Magen. Der Verfasser war offensichtlich „nicht beseelt,“ gedanklich nicht bei den Opfern seiner Brüder im Geiste. Er outet sich lediglich als „Krähe“, die der anderen kein „Auge aushackt“. Ich verstehe, dass er „Vorstandsmitglieder“ (Bischöfe) nicht mit Vorwürfen und Verfehlungsanschuldigungen überschüttet oder gar beleidigt. Er stellt sich hinter sie, beteiligt sich somit an den Vertuschungen und Verharmlosungen, wie ein „guter alter“ Pastoralreferent, ohne einen mahnenden Finger zu heben. Für das ebenfalls von ihm ausgesprochene Bedauern kann sich keiner was kaufen.

Franz-Peter Tebartz-van Elst hat sich in Limburg eine 31 Millionen Euro teure Bischofsresidenz bauen lassen. Allein sechs Millionen Euro ließ er sich seine 285-Quadratmeter-Dienstwohnung kosten. Ich glaube zu wissen, dass deutsche Bistümer große Vermögen verwalten. Dieser Vermögen hätte man sich längst bedienen müssen, wenn man es denn wollte, um Missbrauchte angemessen – zumindest finanziell – zu entschädigen. Daran zu denken und es überhaupt auszusprechen, Kirchensteuermittel heranzuziehen (Stephan Ackermann), ist grotesk und hanebüchen. Es wurde rasch zurückgenommen, dennoch nimmt es einem ein weiteres Mal den Atem in dieser endlosen Angelegenheit. Nach pädophilen Straftaten ist es nicht damit getan, die Beichte abzunehmen, Reue zu geloben, Buße zu tut und zu beten. Mit Handauflegen ist dies Jesus erfolgreich mit Maria Magdalena gelungen. Die Fehleinschätzung von Bernhard Stein und vielen seiner Brüder ist: Prostitution und Pädophilie sind zwar beides Sünden, aber nicht dasselbe.

Hermann Meyer, Prüm