Klima: Groteske Anmaßung

Klima : Groteske Anmaßung

Zur verschiedenen Berichten und Meinungsbeiträgen über die Klima-Krise schreiben Stephan Brunker, Peter Müller, Karl-Heinz Graus, Manfred Jungbluth, Peter Trauden und Stephan Kaut:

Zum Klima-Paket der Bundesregierung:

Es wird im Moment sehr über die Entscheidungen der Bundesregierung bezüglich der Klimaschutzmaßnahmen diskutiert. Bei der ganzen Diskussion werden aber wichtige Aspekte einfach ignoriert, wie zum Beispiel die Tatsache, dass wir in einer Demokratie leben.

Das wurde deutlich, als bei „Hart aber fair“ in der ARD eine Klimaschutzaktivistin gefragt wurde, was sie denn machen würde, wenn ein maßgeblicher Anteil der Bevölkerung zum Beispiel die AfD wählen würde, die ja bekanntlich den Klimawandel leugnet und jetzt schon stärkste Oppositionskraft ist. Anders gesagt: Wie soll man die Welt retten, wenn sie gar nicht gerettet werden will?

Natürlich gibt es mittlerweile einen Teil der Bevölkerung, der zum Verzicht zugunsten des Klimas bereit wäre – und darauf laufen die Maßnahmen ja alle mehr oder weniger hinaus: höhere Steuern, Abgaben auf CO2, zusätzliche Aufwendungen für energetische Maßnahmen, Verzicht auf Mobilität wie Flugreisen oder Individualverkehr mit Kraftfahrzeugen.

In einer Demokratie benötigt man aber mindestens 51 Prozent der Bevölkerung, die dazu bereit sind, und selbst das reicht eigentlich noch nicht aus, weil durch so knappe Mehrheiten enorme Spannungen in der Bevölkerung entstehen, zur Zeit live beim Brexit zu verfolgen.

Das ist ein Dilemma, aus dem ich nur zwei Auswege sehe: Es wäre in Europa kaum vorstellbar, die Maßnahmen durchzusetzen, indem man den Boden der Demokratie verlässt und den Widerstand unterdrückt, auch wenn das in China ganz gut funktioniert. Der zweite Ausweg besteht darin, das Problem an seiner Wurzel anzupacken und eine klimaneutrale, kostengünstige und beliebig skalierbare Energiequelle zu finden, denn auch Millionen von Elektroautos, -lastwagen, -flugzeugen und -zügen müssen ja mit irgendwas fahren, und irgendwas muss im Winter die Gebäude heizen.

Die Energiequelle gibt es ja, die Atomkraft, nur dass Deutschland daraus aussteigt, aus der Forschung sowieso schon länger. Was sehr schade ist, da gerade in diesem Bereich in anderen Ländern intensiv geforscht wird und Konzepte dabei sind, die kompakt und viel sicherer als bisherige Kraftwerke sind und nur wenig Abfall produzieren oder gar mit dem Abfall aus den bisherigen Reaktoren laufen und deshalb auch noch rechtzeitig für den Klimaschutz flächendeckend einsetzbar wären. Die Kernfusion ist dafür zu aufwendig, mit Flüssigsalz-Brutreaktoren könnte das funktionieren, wenn man es will. Vielleicht müssen wir die Dinger in zehn Jahren „made in China“ bestellen, dort hat man die Möglichkeiten jedenfalls erkannt und massiv in die Entwicklung investiert. Aber vielleicht sollte man diese Grundsatzfrage – Verzicht oder Atomkraft – einfach zur Volksabstimmung stellen. Wenn die Mehrheit den Verzicht wählt, kann sich jedenfalls nachher keiner mehr über die Konsequenzen beschweren, wenn es sich in anderen Ländern dann schöner lebt, weil diese einen anderen Weg eingeschlagen haben.

Stephan Brunker, Neuerburg

Zum Artikel „Unverpackt auf Rädern übers Land“ (TV vom 27. September) und zur Debatte um Greta Thunberg:

Der Bericht über eine junge Frau, die mit ihrem mobilen Unverpackt-Laden durch die Lande fährt, brachte mich zum Schreiben dieses Leserbriefs. Es handelt sich um eine gute und vorbildliche Sache, der Artikel selbst ist auch gut geschrieben, wäre da nicht als Wermutstropfen der daneben stehende Kommentar der Autorin, versinnbildlicht er doch die unreflektierte Haltung der meisten Medien zu der Thematik.

Es scheinen jene die Oberhand zu gewinnen, die anderen immer schon vorschreiben wollten, wie sie zu leben haben, was zuweilen diktatorische Züge annimmt. Nun gibt es keine Diktatur aus einem guten Zweck heraus, sondern sie bleibt immer das, was sie ist.

Es wird allerorten über die zuweilen in blanken Hass umschlagenden Reaktionen auf Greta Thunberg geklagt. Übersehen wird hierbei, dass die Medien und große Teile der Politik eine Mitschuld tragen. Anstatt das Phänomen Thunberg und das dahinter stehende System kritisch zu hinterfragen, verfällt man in eine ehrfürchtige Schockstarre und wagt nicht, sie als Person zum kritisieren.

Nun ist das, was Thunberg sagt oder was andere sie sagen lassen, nicht grundsätzlich alles falsch, aber es ist viel Unsinn und vor allem eine groteske Anmaßung dabei. Beim Betrachten ihrer sogenannten Wutrede beim UN-Klimagipfel in New York verfällt man doch in eine peinliche Betroffenheit, nicht nur wegen der billigen Inszenierung, sondern auch wegen der Reaktionen der Frauen und Männer im Plenum, die da sitzen wie die Ölgötzen, anstatt den Raum zu verlassen. Da überkommt einen, was mir sonst nie passiert, eine gewisse Sympathie für Trump, der sie einfach ignoriert hat.

Psychologen werden bemüht, die Äußerungen zu Thunberg zu analysieren. Männern werden sexuelle Minderwertigkeitsgefühle unterstellt, weil man sich von einer jungen Frau etwas sagen lassen muss, mithin: Das ganze Sammelsurium aus der Schatzkammer des linken Nihilismus wird bemüht.

Dass auch viele Frauen Thunbergs Gerede kritisieren, wird dabei unterschlagen, passt es doch nicht in das verquere Weltbild.

Mich erinnert der Kult um diese Person zunehmend an eine der großen Närrinnen des 20. Jahrhunderts, nämlich die legendäre Bauernmagd Therese Neumann aus Konnersreuth in der Oberpfalz Jetzt haben wir halt das ganze Jahr über Karwoche.

Aber im Ernst: Die Debatte über Klimaveränderungen und die daraus resultierenden Folgen für die Politik muss in seriöse Bahnen gelenkt werden, der Journalismus muss seine kritische Distanz zurückgewinnen, anstatt sich zum Komplizen machen zu lassen.

Peter Müller, Kordel

Zum Leserbrief von Ewald Bach unter der Überschrift „Hinsetzen, neu machen – und zwar schnell!“ (TV vom 28./29. September):

Statt auf die tatsächlichen Fakten der Klimaveränderung und Greta Thunbergs Argumente einzugehen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, schürt Herr Bach in hämischer und völlig unsachlicher Weise Vorurteile. Wie soll die 16-Jährige ihren Lebensunterhalt verdienen und einen Euro zum Gemeinwohl beitragen, wenn ihr Berufsleben erst noch vor ihr liegt? Das trifft auf alle Schüler, die sich der Protestbewegung Fridays for Future anschließen, ebenfalls zu. Aber werden dadurch die Fakten weniger relevant, von denen die Wissenschaftler inzwischen ausgehen? Oder werden sie anders dadurch, dass jemand Geld verdient und in die Sozialkasse einzahlt?

Offensichtlich war Herr Bach bislang noch nicht von Auswirkungen der Klimaveränderungen betroffen. Ich würde gerne wissen, was er sagen würde, wären beispielsweise die Wassermassen eines Unwetters durch sein Wohnzimmer geflossen! Empörend ist für mich der Schlusssatz mit dem Hinweis auf Jeanne d‘ Arc. Was will Herr Bach damit sagen, wozu will er auffordern?

Dass der TV, der hinlänglich für die Zensur von Aussagen bekannt ist, die weniger brisant sind, diesen Satz abdruckt, zeugt von mangelnder Urteilsfähigkeit und mangelndem Willen zur sachlichen Auseinandersetzung!

Karl-Heinz Graus, Konz

Herr Bach scheint nicht verstanden zu haben, um was es bei der mittlerweile weltweiten Bewegung geht. Auch scheinen ihm die Erkenntnisse, den Klimawandel betreffend, zu denen sich 98 Prozent der weltweit anerkannten Klimaforscher bekennen, aus der (ach so sauberen) Luft gegriffen zu sein. Herr Bach, sollten Sie Kinder/Enkel haben, wäre ich auf diesbezügliche Fragen an Sie gespannt. Sie scheinen eher die Einstellung zu vertreten: nach mir die Sintflut. Anscheinend glauben Sie noch, die Sonne drehe sich um die Erde und diese sei eine Scheibe. Dann sollten Sie nicht zu dicht an deren Rand gehen oder fahren, damit Sie da nicht eventuell runterfallen.

Manfred Jungbluth, Thalfang

Man muss ja nicht unbedingt ein Fan von Greta Thunberg sein. Um was man jedoch nicht herumkommt, ist die Tatsache, dass auf ihre Initiative hin junge Menschen sich entschieden dagegen verwahren, dass durch kleinmütige, klientelorientierte Politik ihre Chancen, in einer einigermaßen intakten Natur leben zu können, sehenden Auges kaputt gemacht werden. Herr Bach mokiert sich darüber, dass Greta das mit 16 Jahren schon tut und noch nie einen Euro verdient und damit (wohl über Steuern) nichts zum Allgemeinwohl beigetragen hat.

Nichts?

Soweit ich weiß, gehören eine intakte Natur, sauberes Wasser, saubere Luft und ein erträgliches Klima doch allemal zum Allgemeinwohl. Und hierfür setzt sich dieses Mädchen ein. Was ist daran zu kritisieren?

Dass sie erst 16 Jahre alt ist und „große Töne spuckt“, wie Herr Bach meint?

Schaute er sich mal objektiv an, welche ausgewachsenen Gestalten heute die Macht auf unserem Planeten in Händen halten (Trump, Bolsonaro, Johnson und so weiter), könnte er schon eher erahnen, wer große Töne spuckt, ohne auch nur im Geringsten etwas zum Allgemeinwohl beizutragen, ganz im Gegenteil.

Mit der Art, wie diese Politiker mit Problemen umgehen, ähneln sie Herrn Bach geradezu in frappierender Weise. Trump fordert aktuell – indirekt – die Todesstrafe für „Verräter“, die im Gegensatz zu ihm selbst die Verfassung ihres Landes schützen wollen. Herr Bach bringt für Greta Thunberg gar den Scheiterhaufen ins Spiel, so wie es Jeanne d`Arc im 15. Jahrhundert widerfuhr.

Ja, in früheren Zeiten wäre die arme Greta möglicherweise ein Opfer der Ignoranten geworden und verbrannt worden.

Heute schreiben die – Gott sei Dank! – nur Leserbriefe.

Peter Trauden, Heilbach

Zum Artikel „,Absurd, weiterzumachen wie bisher’“ (TV vom 20. September):

Der Begriff Ökostrom ist rechtlich nicht geschützt. Es gibt in Deutschland neun unabhängige Ökostromanbieter. Sie haben laut der regelmäßig stattfindenden Strommarktrecherche der Umweltschutzorganisation Robin Wood keine eigentumsrechtlichen Beteiligungen der Atom- und Kohlewirtschaft. Sie beziehen den Strom ausschließlich aus Anlagen, die mit Erneuerbaren Energien Strom herstellen. Wer will, dass sein Geld nicht an Firmen geht, die auch mit Atom- und Kohlestrom Geschäfte machen, sollte zu einem dieser Anbieter wechseln. Es gibt Klima-, Umwelt- und Gesundheitsgründe, die dafür sprechen. Man kann sich darüber zum Beispiel auf der Webseite der Umweltschutzorganisation Robin Wood informieren.

Stephan Kaut, Konz