Groteskes Gehabe

Politik

Zum Artikel "Kulissen der Geschlossenheit" und zum Kommentar "Kampf dem Klimawandel" (TV vom 19. Juni):
Als die Protestbewegung in den 60er und Anfang der 70er Jahre zersplitterte, bildeten sich unter anderem auch militante linke Gruppen. Einige von denen drehten irgendwann durch, andere waren grundsätzlich gegen alles, wieder andere versanken in der Bedeutungslosigkeit. In dieser Zeit formierte sich auch eine Ökobewegung.
Da standen sich plötzlich intolerante Gutmenschen und erzkonservative Politiker gegenüber. Politiker, die die Macht des Bürgers nur dann beschwörten, wenn es ihnen in den Kram passte. Sozialneid der Schmuddelökos war eine der vielen Wortschöpfungen in dieser Zeit. Aus den Schmuddelökos wurde die Partei der Grünen.
Aus den Grünen sind inzwischen besserverdienende Bürger geworden, die sich mit Biowaren ein gutes Gewissen kaufen können. Schließlich passt der Konsum von Ökowaren auch zu ihrem exklusiven Lifestyle.
Nun ist Klimaschutz angesagt. Nur mit Klimaschutz kann man keine Wahlen gewinnen. Die ökokonsumierenden Avantgardisten haben erkannt, dass man den Klimaschutz zum Spektakel aufbauen muss, um Aufmerksamkeitsströme zu erzeugen. Populismus unter der Gürtellinie ist verkäuflicher als Moral und Ethik. Fluchen ist nun mal besser als segnen. Beim Parteitag der Grünen konnte man erkennen, dass groteskes Gehabe einer Medienelite scheinbar glaubhafter den Fortschritt herbeireden kann. Klimawandel im Repertoire eines jeden Redners. Aber um die Klimaschutzziele zu erreichen, braucht man mehr als ein paar Biokarotten und einige überteuerte Energiesparlampen oder ein fair gehandeltes T-Shirt.
Grün-alternative Klimafanatiker und Naturprediger sollten nicht so naiv sein und alles, was in der Welt geschieht, auf Gut und Böse sortieren. Nur Gutmenschen und Wichtigtuer können gleichzeitig drinnen und draußen sein. Diejenigen, die immer schon wussten, wo die richtige Seite ist, kommen natürlich erst später. Wer aber glaubt, dass die Grünen aus Überzeugung die Welt retten wollen, muss mal hören, wie sie für Kohlendioxidreduzierung kämpfen und gleichzeitig in Stuttgart die Autoindustrie hochleben lassen. So was nannte man früher Schizophrenie, heute Realpolitik.
Natürlich haben sich weltweit Politiker Umwelt und Klimaschutz auf ihre Fahnen geheftet. Hier haben die Grünen kein Alleinstellungspatent.
Heinz Erschens
Kell am See