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Natur: Hände weg von den Wildblumen!

Natur : Hände weg von den Wildblumen!

Zur Berichterstattung über das Artensterben und was dagegen getan werden kann schreibt Jakob Fries:

In alter katholischer Tradition werden in Kirchengemeinden an Fronleichnam bis zu vier Altäre aufgebaut und  davor Blumenteppiche gelegt. Der Volksfreund hat darüber oft berichtet und im vergangenen Jahr sogar eine Online-Plattform eingerichtet.

In meiner Schulzeit vor 60 Jahren wurden wir Kinder klassenweise ausgesandt, um Köpfe von Wildblumen zu pflücken, die dann für die Blumenteppiche an Fronleichnam verwendet wurden.

Ob heute auch noch Wildblumen von den verbliebenen Blumenwiesen oder den für die Insekten so wichtigen Brachen für diesen Zweck gepflückt werden, weiß ich nicht. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass die Blumen gekauft werden. Sollten weiterhin Wildblumen, woher auch immer, für die Blumenteppiche verwendet werden, so ist das nicht mehr zu verantworten. Zwischenzeitlich weiß so ziemlich jeder, wie es um unsere Insekten (darunter auch Wildbienen und Schmetterlinge) bestellt ist. Die Pariser Weltartenschutzkonferenz hat jüngst festgestellt, dass über eine Million Insekten vom Aussterben bedroht sind. Gründe hierfür gibt es verschiedene. Ein Grund ist, dass auf unseren Äckern und Wiesen kaum noch Wildblumen wachsen. Wenn dann noch Insektizide gespritzt werden, ist kaum noch ein Lebewesen oder eine Wildpflanze zu finden.

Deshalb kann und darf es nicht sein, dass die zwischenzeitlich raren Wildblumen weiterhin für eine alte Tradition geopfert werden. Laut Wikipedia werden alternativ zu Blumen an Fronleichnam auch gefärbtes Sägemehl, Stroh oder Erden für die Teppiche verwendet, was sicherlich eine Alternative ist.

Jakob Fries, Trierweiler