1. Meinung
  2. Leserbriefe

Soziales: Hartz vier muss weg, jetzt kommt Winterkorn fünf

Soziales : Hartz vier muss weg, jetzt kommt Winterkorn fünf

Zur Berichterstattung über das flexible Renteneintrittsalter, Altersarmut und gesellschaftliche Eliten schreibt Hartwig Wendhausen:

Wie aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales von gut informierten Greisen zu erfahren war, müssen die Rentenkassen in den nächsten Jahren mit geballter politischer Kompetenz an riesige Herausforderungen herangeführt werden. Diese sollen für die Elite aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft einerseits und für den Mittelstand und deren Arbeitnehmer andererseits sozialverträglich, motivierend und innovativ gelöst werden. Diskutiert wurde, für Selbstständige und Arbeitnehmer ein flexibles Renteneintrittsalter zu schaffen, das zukünftig auch den frühzeitigen Ruhestand in den besten Lebensjahren, beispielsweise schon mit dreißig oder jünger, bei vollem Rentenausgleich ermöglicht. Demnach soll nicht mehr die geleistete Arbeit in Lebensjahren das Maß der Dinge oder die Berechnungsgrundlage für die Höhe der Rentenzahlung sein. Im Vordergrund stehen nun das geistige und vitale Wohlbefinden.

Deshalb soll der Rentenanspruch zeitlich völlig flexibel mit dem Tod des Rentenanwärters beginnen. Man sehe dies explizit als politische Chance an, zum einen um Menschen die Angst vor Altersarmut nach dem Arbeitsleben zu nehmen, zum anderen um womöglich (wie derzeit heiß diskutiert) sogar Hartz vier infrage zu stellen.

Anders verhält es sich für die politische und wirtschaftliche Elite. Hier ist die Bundesregierung aus sozialpolitischen Erwägungen nicht bereit, Zugeständnisse mit derartigen Freiräumen zu gewähren. So soll das Rentenalter hier karriereunabhängig auf dreißig Lebensjahre festgeschrieben werden und nicht erst nach Eintreten des vom zukünftigen Rentenanwärter bereits in der Vergangenheit (wirtschaftlich oder politisch) angerichteten Kollateralschadens beginnen. Auch aus diesem Grund erwägt das Justizministerium, einen Gesetzentwurf einzubringen, der aus Inkompetenz, Selbstüberschätzung und Dummheit angerichteten Schaden in Politik und Wirtschaft generell als Ordnungswidrigkeit ansieht, die mit einer Geldbuße in Höhe von bis zu einem Stundensatz geahndet wird.

Das innovative elitäre Rentenkonzept soll, wie aus einen internen Arbeitsausschuss des Bundestags zu erfahren war, wieder maßgeblich aus dem VW-Konzern kommen und anstatt Hartz vier (Peter Hartz, bis 2005 Personalvorstand bei VW) als Winterkorn fünf (Martin Winterkorn, bis 2015 Vorstandvorsitzender bei VW) umgesetzt werden.

Hierzu das Zitat eines namentlich nicht genannten Sprechers der Bundesregierung: „Die monetär gestaltende Topelite, insbesondere Wirtschaftskriminelle aus der Automobilindustrie oder der Bankenwelt, hat sich mit viel Größenwahn und Realitätsverlust aufgeopfert und aus rein sozialem Gerechtigkeitsdenken eine gesellschaftliche Umverteilung akzeptiert. Dieser Elite ist nur schwer vermittelbar, dass Gewinne privatisiert, aber staatliche Verschwendung und Bilanzverluste der Industrie von Mittelstand und Arbeitnehmern mit Steuergeldern sozialisiert werden dürfen.“

Hartwig Wendhausen, Waldrach