Klima und Tourismus: Heftige Konsequenzen

Klima und Tourismus : Heftige Konsequenzen

Zum Artikel „Merkel stützt die deutsche Luftfahrt“ (TV vom 22. August) schreibt Thomas Müller:

Zum Artikel „Merkel stützt die deutsche Luftfahrt“ (TV vom 22. August):

Eines vorab: Flüge mit Ryanair oder anderen Billigfliegern, zum Beispiel zum Kaffeetrinken nach Bergamo für 22 Euro, halten wir für klimatechnisch pervers, deshalb bieten wir sie in unseren Reisebüros nicht an.

Nun möchte ich ein paar Fakten liefern, die zeigen, dass ein pauschales Regulieren oder sogar Reduzieren von Urlaubsflügen heftige und nicht kontrollierbare Konsequenzen im sozialen Gefüge vieler Urlaubsdestinationen nach sich ziehen würden. Wir bieten in unseren Reisebüros unter anderem Flugpauschalreisen nach Ägypten, Türkei und Tunesien an. Die Kennzahlen im touristischen Bereich dieser Länder: Die Türkei generiert 10,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Touristik und beschäftigt direkt und indirekt über zwei Millionen Arbeitnehmer im touristischen Bereich, Ägyptens Touristikbranche produziert 12,5 Prozent des BIP, Tunesien beschäftigt bei einer Einwohnerzahl von elf Millionen Einwohnern 400 000 Menschen in der heimischen Touristikbranche.

Die aufgezeigten Daten – und es gibt noch extremere Zahlen, auf den Philippinen arbeiten über 20 Prozent der Bevölkerung im Tourismus, in Mexiko 17,5 Prozent – zeigen klar und deutlich, dass die Touristik eine existenzielle Rolle insbesondere in armen Ländern darstellt. Die sozialen Spannungen werden dadurch ganz sicher gemildert.

Die Frage, die ich den Befürwortern von generellen Flugverboten und Verkündern von Flugscham gerne stellen würde, wäre folgende: Hätten diese Hardliner eine Idee, was wir nach einem Einstellen der Urlaubsflüge mit dem ägyptischen Reisebusfahrer, dem tunesischem Rezeptionisten, dem türkischen Souvenirhändler, dem thailändischen Koch, dem mexikanischen Gästeführer, dem indischen Poolboy oder dem balinesischen Zimmermädchen machen sollen?

Thomas Müller, Trier