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Heinz Erschens zu vegetarischem Essen

Leserbrief : Fleischfreie Kost an Kitas und Grundschulen als selbstsüchtige Ego-Aktion

Ernährung

Zum Artikel „Zur Ernährung gehört auch Fleisch“ (Trierischer Volksfreund, 20. Oktober):

Der Freiburger Beschluss, dass es in Kitas und Grundschulen nur noch vegetarisches Essen gibt, zeigt, dass Ideologie wichtiger ist als eine ausgewogene Ernährung der Heranwachsenen. Anscheinend können die Grünen im Freiburger Gemeinderat nur noch mit Verboten eine lebensverändernde Bewusstseinserweiterung in ihrem Sinne erreichen. Sie irren, wenn sie glauben, dass man mit ein bisschen Bio-Gemüse und Karotten statt Fleisch den Lebensstil und Konsum der Gesellschaft verändern kann. Wer sich als ökologischer, weltrettend agierender Konsument versteht, mit dem Ziel, viel weniger der Umwelt zu schaden als alle anderen, darf ohne Gewissensbisse auf Fleisch verzichten. Ob er deshalb einen besonderen Platz in irgendeinem Himmel erwartet, sei dahingestellt. Seit etwa zwei Jahrzehnten haben Veganer und auch grüne Politiker den Klimawandel im Repertoire. Sie glauben, das man ohne große Nutztierhaltung und mit konsequentem ideologischen Konsum das Ziel erreichen kann. Auf der Agenda steht da natürlich der CO2-Ausstoß von Herdenvieh, Kühen und sonstigen Fleischlieferanten an vorderster Stelle. Mit dem Fleischverbot im Speiseplan der Kita und Grundschulen sind sie nun – zumindest bei kleinen Kindern – ihrem Ziel einen Schritt näher.

Diese selbstsüchtige Ego-Aktion greift in jedem Fall zu kurz, weil Ideologie im Vordergrund steht. Sowas hat jedoch mit ausgewogener Ernährung nichts zu tun. Das lässt auch erkennen, dass jene militanten Veganer von einer ökologischen, sozialen und moralischen Qualifizierung weit entfernt sind. Wer glaubt, dass gerade die grünen Politiker in der Regierung aus persönlicher Überzeugung Tierhaltung und Fleischkonsum als umweltschädliche Faktoren höchste Priorität einräumen, hat womöglich verpasst, wie sie sonst agieren und wem sie verpflichtet sind.

Der CO2-Ausstoß von Nutztieren wiegt nun mal nicht so schwer wie der Verlust von Macht. Früher nannte man das Schizophrenie, heute heißt es Realpolitik.