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Gesundheit
Hervorragend, verantwortungsvoll

Zum Artikel „Ärzte-Vorschlag: Bei Erkältungen kein Krankenschein mehr“ (TV vom 26. November) schreibt Norbert Wilmsen:

Ich teile nicht die Meinung des Kollegen Zwerenz, Vorsitzender der Hausärzteverbandes Rheinland-Pfalz, bei „Bagatellerkrankungen“ wie Erkältungen und Magen-Darm Infekten sei „keinerlei ärztliche Expertise“ nötig und damit der Besuch des erkrankten Patienten bei seinem Hausarzt nicht erforderlich. Es liegt in der Verantwortung eines guten Hausarztes, jedem Patienten frühzeitig die Möglichkeit zu geben, im akuten Krankheitsfall die Schwierigkeit, die Diagnostik und die Behandelbarkeit dieser Erkrankung zu erkennen und abzuwägen und damit auch die sozialrechtliche Verantwortung für den Patienten zu übernehmen, ob daraus eine ein-, zwei-, dreitägige oder auch längere Krankschreibung erfolgt und damit eine zeitnahe Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wird. Die Aufklärung über eine „Bagatellerkrankung“, das Vermeiden einer gesundheitlichen Verschlechterung des Patienten, der Schutz vor Ansteckung und Krankheitsübertragung am Arbeitsplatz sind ureigenste hausärztliche medizinische und soziale Aufgaben.

Sie sollten nicht abgegeben oder übertragen werden. Nicht an den Erkrankten, der seine Symptome auch fehldeuten kann. Nicht an eine Videosprechstunde, in der keine Untersuchung erfolgen kann. Nicht an eine medizinische App, wie es Bundesgesundheitsminister Spahn genannt hat, die auf dem Smartphone installiert ist und die Diagnose besser treffe als ein Arzt.

 Im Übrigen ergeben sich die Arbeitsunfähigkeitsbestimmungen aus dem Entgeltfortzahlungsgesetz und aus den jeweiligen Arbeits- und Tarifverträgen der erkrankten Arbeitnehmer.

Der Hausarzt kümmert sich vom ersten Krankheitstag an um den Patienten, und das stets hervorragend und verantwortungsvoll.

Norbert Wilmsen, Allgemeinarzt, Irrel