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Gesundheit: Hilflos, lächerlich

Gesundheit : Hilflos, lächerlich

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie schreiben Markus Hendle, Eberhard Kohl, Arndt und Annette Müller und Dr. Wolfgang Sauer:

Ein Virus verschwindet nicht einfach, und jedes Virus mutiert vielfach. Das war immer schon so und wird auch so bleiben. Es handelt sich bei Sars-CoV2 um eine Naturgewalt, die der Mensch in aller Konsequenz (viele Todesfälle von alten, schwerstkranken Menschen) leider nicht aufhalten kann. Die Inzidenz-Zahlen werden auch künftig stark schwanken. Hieran wird sich durch strenge Lockdowns und anschließende Lockerungen, die irgendwann ja mal kommen müssen, nichts ändern. Soll dieses Spielchen solange weiterbetrieben werden, bis wirtschaftliches, gesellschaftliches und kulturelles Leben zugrunde gerichtet sind? Ist das die Alternative? Abgesehen mal von den Kollateralschäden durch andere Krankheiten, die durch die Corona-Maßnahmen ausgelöst werden.

Wir müssen mit diesem Virus leben lernen, wie mit allen anderen Infektionskrankheiten der vergangenen Jahrhunderte auch. Statt diesen unverhältnismäßigen Irrsinn der (fast) weltweiten „Selbstverstümmelung“ fortzuführen sollte da angesetzt werden, wo es Sinn macht: primärer Schutz von Risikogruppen (etwa durch schnellstmögliche Impfung), bessere Hygienemaßnahmen in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, Investition in unsere Gesundheitssysteme. Der Pflegenotstand ist seit vielen Jahren bekannt. Es ist längst überfällig, für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen zu sorgen. In diesem Bereich darf es kein kapitalistisches Wirtschaften geben. Die Gesundheitsfürsorge muss durch den Staat (also wir alle) gewährleistet und finanziert werden. Es gäbe viele Einsparmöglichkeiten von Steuerausgaben zu Gunsten des Gesundheitswesens. Die Corona-Pandemie hat die Defizite der enormen Schieflage des Gesundheitssektors schonungslos aufgedeckt. Und es wird weitere Pandemien und Naturgewalten geben ...

Markus Hendle, Taben-Rodt

Der Lockdown zeigt in eindrucksvoller Weise, wie hilflos die Regierungen fast aller Staaten sind: Aussperren, Maske tragen, Abstand halten, Hygienevorschriften, Kontaktverbote, Reiseverbote, Schulschließungen, das alles muten sie ihrem Volk zu und machen Versprechungen, die nicht erfüllt werden können.

Am gravierendsten wohl das Impf-Desaster: Mit Milliarden Steuergeldern puscht die EU die Pharma-Industrie, damit diese wirksames Impfserum herstellen soll, und man ist dann überrascht, wenn versprochene Impfdosen nicht geliefert werden – weil Pharma-Unternehmen ihren Gewinn optimieren wollen?!

Beim Einsatz von Steuermitteln in solcher Höhe sollte selbstverständlich erwartet werden, dass die Agierenden so klare Verträge aufsetzen, dass Wirtschaftsunternehmen keine Möglichkeit haben, ohne knallharte Vertragsstrafen sich dem zu widersetzen.

Es ist unklar, ob das Versprechen der Bundeskanzlerin, dass alle Impfwilligen bis Ende Sommer 2021 geimpft sind, zu halten ist. Viele Bewohner in den Seniorenheimen werden wohl erst Mitte bis Ende Februar ihre Zweitimpfung erhalten.

Selbstständige haben keine Perspektive, ob und wie es nach dem 14. Februar für sie wieder weitergehen kann, droht doch eine weitere Verlängerung des Lockdowns.

Selbst im Kleinen wird versprochen, was man nicht einhalten kann: Berechtigungsscheine für FFP2-Masken sollten bis Mitte Januar an alle Berechtigten ausgegeben werden, jedoch die Bundesdruckerei schaffte es bis Ende Januar nicht, den Krankenkassen diese zur Verteilung zu liefern (Auskunft der Debeka). Bereiten wir uns somit auf eine weitere Verlängerung des Lockdowns vor, einem daddelnden Ministerpräsidenten wird nichts Besseres einfallen.

Eberhard Kohl, Wittlich

Zum Artikel „Der Minister, dem ein heißer Sommer droht“ (TV vom 29. Januar):

Warum stellt man es völlig legitim dar, dass Jens Spahn immer mehr unter Druck steht, als sei er für dieses Desaster fehlender Impfstoffe verantwortlich?

Er hat, entgegen der Behauptungen seiner Kritiker (auch der Kanzlerin), nicht getrödelt, auch wenn er manchmal Fehler gemacht haben mag – er hatte aber das Primat für das Leben (aller Menschen in der EU!) erkannt und zeitnah gehandelt, eben gemäß Regierungseid für unser Land. Eigentlich das Normalste überhaupt, unser Leben zu schützen ...

Arndt und Annette Müller, Konz

Bewundernswert, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit geschwellter Brust jede Talkshow und jede Pressekonferenz, auch mehrmals täglich, meistert. Die Bereitstellung von hochwertigen Mund-Nasen-Schutzmasken für Schüler und Bewohner und Mitarbeiter von Altenheimen, die Bereitstellung von Corona-Schnelltests und deren konsequente Anwendung in Schulen und Altenheimen, die Ausrüstung der Gesundheitsämter mit digitaler Technik zum Zwecke der effizienteren Arbeit – das alles hat er in der sommerlichen Corona-Entspannung nicht geschafft. Die Aufzählung ist sicher nicht komplett.

Ja, und jetzt die Bereitstellung der Impfstoffe in ausreichender Zahl – ein Desaster!

Die Bundeskanzlerin sagt Impftermine für alle bis Ende September zu – ein politisches Armutszeugnis!

Der Bundespräsident zündet eine Kerze an – lächerlich, wenn da nicht die vielen Toten wären , verursacht durch die Schlampereien bei der Impfung.

Das einzige, was regelhaft geschieht: Verlängerung eines undifferenzierten Lockdowns. Der legt sich dann wie ein Leichentuch über Kitas, Schulen, Kultur- und Sporteinrichtungen, Einzelhandel, Gastronomie. Andere Politiker braucht das Land!

Dr. Wolfgang Sauer, Morbach