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Katholische Kirche: Hinnehmen, verharmlosen, vertuschen, hinhalten, zermürben, bloßstellen, abservieren

Katholische Kirche : Hinnehmen, verharmlosen, vertuschen, hinhalten, zermürben, bloßstellen, abservieren

Zur Berichterstattung über die Haltung der Deutschen Bischofskonferenz und zur Diskussion über das Schmerzensgeld für die Opfer im Missbrauchsskandal schreiben Jutta Lehnert und Hermann Schell:

Schäbiger geht’s nimmer! Die Bischöfe haben immer noch nicht verstanden, an welchen Verbrechen sie durch Hinnehmen, Verharmlosen, Vertuschen und Versetzen beteiligt waren. Von Aufarbeitung keine Spur.

Seit über zehn Jahren halten sie die Opfer in Deutschland hin und nehmen weitere Retraumatisierungen durch Nicht-ernst-Nehmen und Zermürben in Kauf. Allein dafür gehörten die Summen erhöht!

An einer wesentlichen Erhöhung der Auszahlungen an die Opfer hätte die Öffentlichkeit allerdings auch das Ausmaß der Verbrechen deutlicher ablesen können. Sexualisierte Gewalt, an Kindern begangen, hat meistens schwere Folgeschäden für das ganze Leben.

Die Kosten für Ausbildungsmangel, Arbeitsunfähigkeit, Arbeitsausfälle, suizidales Verhalten, Beziehungsstörungen und Krankenhausaufenthalte bis hin zu schweren Darmoperationen wurden den Familien und der Gesellschaft überlassen.

Dass die Bischöfe auf Empfehlungen von Studien und Kommissionen pfeifen, zeigt, wie beratungsresistent sie sind.

Sie sind Teil des Problems und nicht der Lösung.

Wenn die Hirten versagen, ist es Zeit für das sogenannte Kirchenvolk, die zentrale Tradition von Gewissensbildung, Schuldbekenntnis und Buße in Erinnerung zu rufen und anzumahnen.

Jutta Lehnert, Waldesch

Bravo, die Herren der mächtigsten Täterorganisation Deutschlands. Ja, der neue Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Dr. Bätzing, hat es den Betroffenen zugestanden, dass sie die katholische Kirche in Deutschland so nennen dürfen. Danke dafür!

Und was macht der Missbrauchsbeauftragte dieser Täterorganisation, Bischof Dr. Ackermann? Schreddert sich während der Pressekonferenz der Bischöfe. Das Teufelswort „Entschädigungszahlung“ einmal verneinend, sichtlich angespannt, herausgepresst. Er diskreditiert den Betroffenenvertreter des Eckigen Tischs, Matthias Katsch, öffentlich und spricht ihm das Recht ab, für alle Opfer zu sprechen. Katsch und der Eckige Tisch stünden nur für eine kleine Gruppe der Betroffenen. „Ich kann nicht sagen, es geht allen um Entschädigungen.“

So geht Missbrauch. Einladen, einbinden, öffentlich bloßstellen, abservieren.

Ackermann, der schon 2013 seine Aufgaben als Missbrauchsbeauftragter als „nahe abgearbeitet“ sah, sieht sich nun angesichts der „Anerkennungszahlungen“ in Höhe von 5000 bis 50 000 Euro dazu berufen, von einer „anderen Großzügigkeit“ zu sprechen.

Weiterhin sieht er die gemeinsam verabschiedeten Grundsätze schon als Leuchtturmprojekt für andere Bereiche in der deutschen Missbrauchslandschaft.

Hier ein kleiner Weckruf für das Dreigestirn aus Trier (Marx, Ackermann, Bätzing): Einer eurer Vorgänger, der ehemalige Bischof Stein, ist aktuell durch die Betroffeneninitiative Missbit als Mitwisser und Vertuscher aktenfest überführt. Das haben nun auch die politischen Parteien der Stadt Trier zur Kenntnis genommen und die Initiative ergriffen.

Das Verfahren zur Aberkennung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Trier kommt in Gang, die Umbenennung des Bischof-Stein-Platzes ebenfalls. Der Antrag auf Aberkennung des Bundesverdienstkreuzes wird zwangsweise folgen müssen. Ein Novum, und damit der Beginn einer angemessenen, längst überfälligen Umgehensweise der Zivilgesellschaft mit der katholischen Kirche als Täterorganisation. Zwar post mortem, aber zum Üben schon mal gut.

Die Herren, jetzt ist noch Zeit, sich zu bekennen zu Mitwisserschaft, zu Vertuschertum, zum Schutz von Serientätern, zur Inkaufnahme von Missbrauch an Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen!

Hermann Schell, Saarbrücken