Katholische Kirche: Höchste Zeit für Korrekturen

Katholische Kirche : Höchste Zeit für Korrekturen

Zu den Artikeln „Missbrauchsopfer knöpfen sich auch Bischöfe vor“ und „Viele Worte, einige Emotionen, etwas Skepsis“ (TV vom 13. Juli) schreibt Jutta Lehnert:

Ich habe Bischof Stein in den siebziger Jahren als honorigen Bischof und großen Förderer der Jugendarbeit im Bistum Trier kennengelernt. Wie es aussieht, muss ich mein Bild von ihm korrigieren: Seine unbekannte, dunkle Seite hat offenbar Priester geschützt, die Kindern sexualisierte Gewalt angetan und für ihr ganzes Leben geschädigt haben. Er hat auf Mahnungen und Beschwerden nicht gehört, sondern durch Versetzen in andere Gemeinden weitere Kinder der Gewalt ausgesetzt. Weitere unabhängige Akteneinsichten, die nun folgen müssen, werden klarere Erkenntnisse darüber bringen, wie weit diese Strafvereitelung im Amt ging. Ich habe mein Bild von Priestern schon in mindestens zehn Fällen korrigieren müssen in meiner langen Berufstätigkeit als Pastoralreferentin. Jedes Mal war es ein Vertrauensverlust, jedes Mal eine Infragestellung der Kirche, ob sie wirklich die Kirche Jesu Christi ist. Eine katholisch geprägte Stadt wie Trier wird ein Interesse an der Wahrheit haben und kein verlogenes Bischofsbild dulden wollen in ihrer Mitte. Die Zeit der unkritischen öffentlichen Ehrbezeugungen ist vorbei. Jetzt kommt die Zeit, über eine Umbenennung zum Beispiel des Bernhard-Stein-Platzes neben dem Dom nachzudenken.

Jutta Lehnert, Waldesch

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