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Ihre Meinung: Hoffentlich ein Weckruf!

Ihre Meinung : Hoffentlich ein Weckruf!

Entwicklung

Zum Artikel „Der Landkreis muss innovativer werden“ (TV vom 28. Januar ) schrie uns Eleonore Roth aus Reil:

Ja, es stimmt, der „Brain Drain“ findet schon seit mehreren Generationen statt. Ich war die Erste aus meiner Familie mit sechs Kindern, die Eltern Winzer, die überhaupt studieren konnte. Zu verdanken habe ich dies der sozialdemokratischen Bildungsoffensive der Brandt-Ära. In meiner Schülerzeit mussten meine Eltern die ersten Jahre noch Schulgeld bezahlen in Rheinland-Pfalz (wegen meiner guten Leistungen bekamen sie einen Teil davon erstattet).

Der damalige Reiler Bürgermeister Günther Barzen hatte einige von uns privat zu einem Gespräch eingeladen. Das war etwa 1966, er erkannte damals schon, dass es hier in der Gegend keine Arbeitsplätze für Hochschul-Absolventen gibt und er bedauerte, dass diese Gruppe junger Menschen die Heimat verlassen würden. Die Universität Trier eröffnete erst 1970 und bot nur wenige Fakultäten an. Also ging ich zum Studium nach Frankfurt und arbeitete dort und in Eschborn.

Mit fast 18 000 D-Mark Bafög-Schulden, die ich komplett zurückzahlen musste, war das Studium für Kinder meiner Herkunft, (Mädchen vom Land, katholisch) immer noch eine Hürde.

Mein Sohn hatte es da schon sehr viel leichter. Aber auch er ging nach Frankfurt (meinen Wohnsitz hatte ich wieder in die Heimat verlegt, ich konnte – dank meiner innovativen Arbeitgeberin, der „Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, GIZ Eschborn – teilweise zu Hause arbeiten.)

Es fließt viel an Steuergeld in die Tourismusförderung. Dabei ist dies ein Gewerbe mit weitgehender Saisonarbeit und Niedriglöhnen und bietet kaum auskömmliche Einkommen für hiesigen Nachwuchs. Private Vermieterinnen beenden ihre Tätigkeit aufgrund von Alter oder erforderlicher Modernisierung.

Hiesige Gemeinden tummeln sich auf Tourismusbörsen anstatt auf Wirtschaftsforen. Insofern wäre eine breit angelegte Initiative zur Gewinnung von innovativen Unternehmen für den Landkreis eine Zukunft für unsere Hochschul- und Fachhochschulabsolventen.

Der ausführliche Artikel von Dr. Hermann Simon ist hoffentlich der richtige Weckruf!