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Leserbriefe: Hoffentlich in weniger als vierhundert Jahren ...

Leserbriefe : Hoffentlich in weniger als vierhundert Jahren ...

Zu den Leserbriefen „Und das soll kein Raubbau werden“ (TV vom 20. Dezember) und „Frühestens in vierhundert Jahren“ (TV vom 3. Januar) schreibt Stefan Dewald:

Herr Dr. Cleven hat recht! Zumindest sind die genannten Zahlen zur Anzahl, Kraftwerkskapazität und Anteil am Gesamtenergiebedarf der Windkraftanlagen korrekt. Wohlwissend, dass diese Zahlen den geneigten Leser vermutlich erschrecken, zeigen sie jedoch, wie weit der Weg zur vollständigen Substitution der fossilen Energieträger noch sein wird.

In meinem Brief bezog ich mich deshalb explizit auf die Stromerzeugung. Bei deren Betrachtung wird man feststellen, dass die Wind­energie (Stand 2017) circa 18,8 Prozent der Netto-Stromerzeugung beitrug, während zusammen mit anderen Erneuerbaren 38,5 Prozent erreicht wurden. Doch auch diese Zahlen zeigen, dass noch viel zu tun ist.

Natürlich geht mit dem Zubau von Windkraftanlagen ein „Landschaftsverbrauch“ einher. Das ist in meinen Augen aber die Kröte, die man schlucken muss, und die ich deshalb nicht als Raubbau verstehe, weil der Rückbau ohne Ewigkeitslasten möglich ist. Außerdem plädiere ich für den zügigen Ausbau der Photovoltaik, und das nicht auf landwirtschaftlichen Flächen, sondern auf jedem Dach, das sich dazu eignet, und glauben Sie mir: Das sind sehr viele.

Sich allem zu verweigern und keine Lösungsansätze aufzuzeigen, hilft unserer Gesellschaft nicht wirklich weiter. Herr Cleven hat den Emissionshandel angesprochen – ein nutzloses Instrument,  da es nicht einmal in Europa möglich zu sein scheint, eine Einigung zu erzielen, geschweige denn daran zu denken ist, dass der Rest der Welt sich an so etwas beteiligen will. Und jetzt kommt Herr Backes aus Ayl ins Boot, der uns dazu rät, voll auf Atomkraft zu setzen. In seinen Ausführungen schwingt eine gewisse Begeisterung für das benachbarte AKW Cattenom mit. Bleibt zu hoffen, dass unsere Region diese Phase der Energieerzeugung mit einer Hochrisikotechnologie unbeschadet übersteht!

Wie kann der derzeitige Schadstoffausstoß, vor allem der Braunkohleverstromung geschuldet, reduziert werden? Mit welchen Methoden soll das Problem angegangen werden? Es führt meines Erachtens kein Weg an dem Ausbau der Windkraft vorbei. Doch auch andere Lösungsansätze (Energieeinsparung, Energieeffizienz, Kraft-Wärmekopplung sowie Photovoltaikanlagen) sind Mittel, das langfristige Ziel einer kohlestofffreien Energiebereitstellung zu erreichen – hoffentlich bevor der Kochtopf in weniger als 400 Jahren überquillt!

Stefan Dewald, Osburg