Katholische Kirche: Hohes Risikopotenzial

Katholische Kirche : Hohes Risikopotenzial

Zur Berichterstattung über die XXL-Reform des Bistums Trier schreibt Bernd Heimermann:


Die vom Bistum veröffentlichten „EinBlicke 02/2019“ fassen die bisherigen organisatorischen Planungen zur Pfarrei der Zukunft zusammen. Nun bittet Bischof Ackermann die Pfarreien, dazu im Rahmen einer formalen Anhörung bis zum 31. Mai Stellung zu nehmen. Zwei meines Erachtens wesentliche Punkte zeigen das hohe Risikopotenzial, das das Bistum unbelehrbar eingeht.

1. Die Organisation der Pfarrei der Zukunft verzichtet gänzlich auf eine Ersatz-Organisationseinheit auf der Ebene der alten Pfarrei und überlässt dies dem Zufall. Damit hat die Pfarrei der Zukunft keinen organisatorischen Durchgriff und keinen Ansprechpartner auf dieser Ebene.

Was nützt ein guter Generalstab, wenn er nicht strukturiert auf jeden Soldaten zugreifen kann? Die ausschließliche Hoffnung liegt darauf, dass sich jetzt auf einmal aus den „Charisen“ neue „Orte von Kirche“ bilden. Etwas weltfremd: Das Potenzial interessierter Gemeindemitglieder ist in vielen Pfarreien bereits heute aufgezehrt!

Wenn also im schlimmsten Fall  das bisherige Potenzial, eben die bisherigen, über vier Jahre verpflichteten Ratsmitglieder der alten Pfarreien, kein Mandat mehr haben und ihr Amt fristgerecht beenden, entsteht ab dem 1. Januar 2020 ein Vakuum. Das heißt, die alte Pfarrei mit ihren kirchlichen Veranstaltungen, Einrichtungen, Immobilien und Strukturen ist sich selbst überlassen und gegebenenfalls dem Verfall geweiht, da die bisherigen „Kümmerer“ vor Ort nicht mehr an Bord sind. Es kommt der Eindruck auf, dass die oberen Organisationsebenen passfähig gemacht werden, die Kirche vor Ort mit den vielen tagtäglichen Herausforderungen nicht Organisationsbestandteil ist.
Warum werden nicht bestimmte Vorgaben gemacht, so dass diese Organisationslücke strukturiert geschlossen wird, etwa mit der Vorgabe, einen legitimierten „örtlichen Kirchenverein“ bis zum 1. Januar 2020 zu gründen?

2. Der Rat der Pfarrei der Zukunft soll 27 Mitglieder umfassen, wovon (nur) zehn per Urwahl, also von allen Gemeindemitgliedern, gewählt werden sollen. Wahlkandidaten, die ich nicht kenne, kann ich aber nicht wählen! In der Politik wird dies durch eine intensive Aktivität der Ortsvereine der Parteien, das Delegiertenprinzip und durch eine massive Kommunikation verhindert. Folgt man dem eingeschlagenen Weg, werden die alten Stadtpfarreien, die sich kommunikativ besser strukturieren lassen, die Mehrheit dieser Ratsmitglieder stellen; die Dörfer sind benachteiligt. Hinzu kommt eine nicht zu unterschätzende Wahlverweigerung, die in größer werdenden Räumen und größer werdender Entfremdung zunehmen wird.

Warum geht man nicht den in anderen Strukturen geübten Weg, dass vom „örtlichen Kirchenverein“ einer alten Pfarrei Delegierte, die – in einem noch festzulegenden Verfahren legitimiert –, in diesen Rat entsandt werden. Schließlich sollte doch jeder Katholik in der neuen Pfarrei das Gefühl haben, dass er sich diskriminierungsfrei repräsentiert fühlt.

Bernd Heimermann, Döttingen