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Medien: Houston, ich habe ein Problem!

Medien : Houston, ich habe ein Problem!

Zum Forum „Nur mit Kompass in den Dschungel“ (TV vom 12./13. September) schreibt Petra Pauli:

Ich las den Text wie immer aufmerksam und mit Interesse durch und schwupp, sprang mich das Wort Medienkompetenz förmlich an. Nicht genug, es traf mich, als wenn mich jemand fragt: „Haben sie irgendeine ansteckende Krankheit“ – ich fühlte mich ertappt, gewillt alles abzustreiten und doch wissend, dass ich genau das nicht habe: Medienkompetenz! Klar kann ich mittlerweile am Computer arbeiten, im Internet surfen, whatsappen, Tabellen anlegen, ein bisschen Excel, ein bisschen mehr Amazon, richtig gut Word – aber dann kommt nicht mehr viel, leider. Alleine die Vokabeln der digitalen Medien hauen mich um: Mail-Client, Port, Server, Webbrowser, Administrator und so weiter – ich kenne sie nicht alle, aber die ich kenne, sagen mir erst mal nix! Mühsam suche ich dann nach „Übersetzungen, Definitionen, Ratgebern“, und meist hänge ich dann irgendwo im „Netz“ und habe mich total verfangen. Oft schalte ich dann den Computer ab und möchte zur Entspannung Radio hören oder Zeitung lesen, oder besonders gerne ein Buch – das kann ich, da bin ich kompetent und liebe diese traditionellen Medien. Fernsehen geht auch, wenn ich die Fernbedienung mit „an“, „aus“ und „Programmwahl“ bediene. Alles andere „drückt“ mein Mann, er ist der Herr der Fernbedienung und hütet sie wie seinen Augapfel. Mein CD-Player gibt mir auch einige Rätsel auf, die ich aber vehement ignoriere: bisher dachte ich, DAB sei eine bekannte Biermarke, was das im Display meines Gerätes bedeutet ist mir, ehrlich gesagt, schleierhaft.

Wenn ich nun lese, dass Studien besagen, dass Kinder und Jugendliche nicht umfassend auf die Herausforderungen des Informationszeitalters vorbereitet sind, dann weiß ich zumindest aus meinem Arbeitsfeld in einer Schule, dass gerade jetzt mächtig viel Gutes getan wird. Lernen und Lehren bekommt eine weitere, starke Plattform. Klar, Corona hat das Ganze mächtig forciert, aber was soll’s, der Wandel vollzieht sich, er braucht halt Zeit – Lebenszeit, die die jungen und jüngeren Menschen richtig doll mit Medien verbringen (Digital Natives, oder?). aber was ist mit den „Silver Surfern“, den Computer-Doppel-Nullen, den Medienüberforderten? Bleibt am Ende Resignation oder wirft man sich in den „Stream“ und hält es mit „Versuch und Irrtum“ = durch Probieren zum Erfolg. Da ich (61 Jahre) noch immer lernfreudig und wissbegierig bin, entscheide ich mich meist für Letzteres, wobei die Resignation oft auf dem Fuße folgt und dann hört man es durchs ganze Haus schallen: „Houston, ich habe ein Problem!“ Retter in der Not ist dann mein Sohn, dessen Medienkompetenz die Note sehr gut verdient. Was ich nun mit vielen Worten kurz sagen möchte: Medienkompetenz geht alle an, von neun bis neunzig – genau wie Frieden, Klimawandel, Corona, und nur gemeinsam wird das was, sozusagen Hand in Hand. Und vielleicht gibt es ja ein paar Menschlein, die sich in oben genannter Sache genauso outen könnten wie ich – würde mich mal interessieren und könnte man im Forum ja mal kommunizieren, oder?

Petra Pauli, Schweich