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Ihre Meinung zur Judenverfolgung in Enkirch

Ihre Meinung : Keiner ist zurückgekehrt

Holocaust

Zum Artikel „Aktives Erinnern mit Steinen und Lebensgeschichten“ (TV vom 9. November) schrieb uns Thomas Hüttmann aus Berlin:

Der Artikel enthält  aus meiner Sicht mehrere falsche Angaben. So wird behauptet, dass aus Enkirch keine Juden deportiert und/oder ermordet wurden. Das ist unrichtig, tatsächlich wurden jüdische Enkircher entweder zuerst gezwungen, in Ghettohäuser umzuziehen und wurden von dort aus deportiert und ermordet. Die Leidenswege der jüdischen Enkircher, die verfolgt wurden oder sich durch Emigration retten konnten, sind in der Publikation: „... dass einmal dem Juden das Land auf diese Weise abgenommen wird ... – die jüdischen Einwohner von Enkirch vor und während der Zeit des Nationalsozialismus“ (ISBN 978 3743139848) nachzulesen. Auch der Text auf dem Gedenkstein ist verharmlosend, es wird nicht auf die ermordeten oder vertriebenen jüdischen Enkircher hingewiesen, auch eine (ursprünglich geplante) Nennung der Namen der Opfer des Holocaust ist nicht erfolgt, nachdem die Liste aus einer Publikation des Emil-Frank-Instituts sich als nicht vollständig herausgestellt hat. Weiter wird behauptet, dass die jüdischen Geschäftsleute im Ort akzeptiert gewesen seien. Das steht im Widerspruch zu Angaben aus Wiedergutmachungsakten, in denen vom Boykott jüdischer Geschäfte mit Beginn des Nationalsozialismus berichtet wird. Die Angabe, dass zu ehemaligen jüdischen Mitbürgern noch Kontakte bestünden, kann ich nicht bestätigen, alle Nachfahren, die ich ausfindig machen konnte, haben davon nichts erwähnt. Der Besuch von Kurt Simon, der inzwischen verstorben ist, war nicht Anlass zu einem offiziellen Empfang in Enkirch, es gab keine Entschuldigung gegenüber der vertriebenen Familie, der Kurt Simon nach Amerika zu fliehen geholfen hat, ganz zu schweigen von einer Ehrenbürgerschaft. Keiner der Familienangehörigen ehemaliger jüdischer Enkircher ist nach dem Holocaust zurückgekehrt, um dort zu leben. Erst jüngst ist die letzte jüdische Zeitzeugin, Irene Israel, 100-jährig in Frankreich gestorben. Es gab keine Kontakte aus Enkirch, auch kein Kondolenzschreiben.