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Bahn: Immer mehr, immer lauter

Bahn : Immer mehr, immer lauter

Zum Leserbrief „Je leiser die Züge, desto lauter die Proteste“ (TV vom  13. Februar) schreibt Max op den Camp:

Der Behauptung, Güterzüge seien in den letzten Jahrzehnten leiser und nicht lauter geworden, muss aus fachlicher Sicht energisch widersprochen werden. Das Gegenteil ist der Fall.

Selbst die Bundesregierung (Umweltbundesamt 2014, planco/bfg Verkehrsträgervergleich) hat eine Schalldruckverdoppelung von Güterzügen – plus 11,5 dB/A zwischen 1970 und 2014 – zugegeben. Im Gegensatz zu allen anderen Verkehrsträgern, die technisch weiterentwickelt wurden und die in diesem Zeitraum tatsächlich signifikant leiser geworden sind. Alle Verkehrssysteme sind heute leiser als 1974: Kraftfahrzeuge, Schiffe, Flugzeuge, auch Personenzüge – nicht jedoch die Güterbahn. Die ist heute doppelt so laut.

Das ist einfach zu erklären. Im Kern werden im Jahr 2019 die gleichen, oft sogar dieselben Waggons über das Gleisnetz gezogen wie 1974. Dabei handelt es sich um niemals weiterentwickelte Grundkonstruktionen aus dem 19. Jahrhundert mit Starrachsen, Laufflächenbremssystemen und ohne jede Vibrations- oder Geräuschdämmung.

Im Jahr 1974 betrug die Geschwindigkeit dieser Güterzüge 65 km/h. Die Achslasten lagen bei maximal 15 Tonnen. Gleise waren auf Holzschwellen verlegt. An der Mosel fuhren täglich circa 40 Güterzüge, nachts so gut wie gar keine.

Im Jahr 2019: Dieselben Waggons tragen eine Achslast bis 22,5 Tonnen. Die gefahrene Geschwindigkeit an der Mosel beträgt nun 120 km/h. Die schwingungsdämpfenden Holzschwellen sind gegen Beton ausgetauscht worden (allein das erhöht den Lärm schon um 3 dB/A). Die DB fährt laut Betriebsprogramm 2015 nun 183 Züge im 24-Stunden-Betrieb an der Mosel. Nach dem derzeit erfolgenden Ausbau werden bis zu 240 Züge erwartet. Das bedeutet eine Zugdurchfahrt alle fünf bis sechs Minuten rund um die Uhr. Mit messbaren Emissionspegeln bis zu 110 dB/A. Die durch diesen Verkehr erzeugten Belastungen für die Anwohner sind unvergleichlich viel höher als in den siebziger Jahren. Das ist in Wissenschaft und Politik unstrittig und jedem Bahnanwohner am eigenen Leib täglich erlebbar.

Wen es interessiert, dem sei die Lärmkartierung des Eisenbahnbundesamtes empfohlen – hier kann hausgenau die rechnerische Lärmexposition nachvollzogen werden: http://laermkartierung1.eisenbahn-bundesamt.de/mb3/app.php/application/eba

Max Op den Camp, Winningen, Erster Vorsitzender BIGBIM – Bürgerinitiative gegen Bahnlärm im Moseltal e.V.