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Weinbau: In Deutschland gibt es eine Mengenbeschränkung

Weinbau : In Deutschland gibt es eine Mengenbeschränkung

Wein

 Zur Kolumne „Ein Jahr der Superlative“ (TV vom 18./19. Januar) sandte uns Jutta Schneider diese Zuschrift:

Lieber Herr Linz, in Ihrer oben genannten Kolumne tragen Sie vor, dass es im Deutschen Weinrecht keine Mengenbeschränkung gibt. Richtig ist, das bereits 1989 die  sogenannte Hektarertragsregelung eingeführt wurde, welche die Erträge aller Winzer in den deutschen Weinanbaugebieten nach oben begrenzt. Richtig ist auch, dass es seit 2011  viele Weinernten gab, die witterungsbedingt weit unter der gesetzlich festgelegten Höchstgrenze lagen und vielen Betrieben wirtschaftliche Probleme bereitet haben, weil Wein nicht automatisch mehr kostet, wenn weniger da ist und die Produktionskosten die gleichen sind.

Im Ausnahmejahr 2018, und um dieses geht es bei den Anstellungszahlen der Landwirtschaftskammer in 2019, wurde den Winzern eine Ernte beschert, die trotz weniger Niederschläge sehr hohe Erträge bei ebenfalls außerordentlich guten Qualitäten hervorbrachte. Sehr wohl mussten, ganz entgegen ihrer Aussage, in 2018 viele gute Trauben hängen bleiben, weil das gesetzlich zugelassene Kontingent eine Ernte und Vermarktung nicht zuließ.

Was unsere französischen Nachbarn angeht, lohnt auch hier ein zweiter tiefergehender Blick. Viele große Chateaus und Domaines sind längst nicht mehr im Familienbesitz, sondern Eigentum von weltweit agierenden Wirtschaftsunternehmen, für die ein Weingut lediglich ein Spekulationsobjekt ist und das persönliche Auskommen der Aktionäre davon in keiner Weise abhängig ist.

Wir können froh sein, dass wir in Deutschland, im Weinland Rheinland-Pfalz und auch an unserer schönen Mosel, viele gut ausgebildete Winzerinnen und Winzer haben, die gemeinsam mit ihren Familien diese einzigartige Kulturlandschaft pflegen und erhalten.

 In einer 40-Stunden-Woche ist das nicht zu leisten, da braucht es schon mehr Einsatz und viel Idealismus, sich immer wieder den Launen der Natur auszusetzen.

Die Landschaft ist nach neuesten touristischen Untersuchungen übrigens der Hauptbeweggrund für Urlauber in unsere Region zu reisen.

Im touristischen Sektor werden so im Jahr an der Mosel durchschnittlich 1,3 bis 1,6 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.

Davon partizipieren viele Branchen wie Hotellerie, Handwerk und Einzelhandel. Die Weingüter legen mit ihrer Landschaftspflege den Grundstein dafür, dass viele Menschen einen Arbeitsplatz haben. Dass die Winzerinnen und Winzer, wie übrigens auch alle anderen Landwirte, dafür in Anspruch nehmen, mit ihren Familien auskömmlich leben zu können, ist nicht zu viel verlangt.