Geschichte: In die Köpfe, in die Herzen!

Geschichte : In die Köpfe, in die Herzen!

Zum Interview „,Die Weimarer Republik ist gezielt zerstört worden’“ und zum Kommentar „Was uns Weimar für die heutige Demokratie lehrt“ (TV vom 31. Juli) schreibt Manfred Maximini:

Wir leben in einem freien Land. Unsere direkte Demokratie ist eine anspruchsvolle Staatsform, die viel von ihren Bürgern verlangt, dafür aber auch einiges gibt. Zu Recht weist Werner Kolhoff in seinem Kommentar darauf hin, dass es wichtig ist, anlässlich der Verfassung der ersten Republik vor 100 Jahren den Blick auf die Gründe ihres Scheiterns zu lenken und daraus zu lernen. Nach meiner Meinung sollten wir nicht kritisieren, tadeln, urteilen und verurteilen, an unserem Staat herumnörgeln, ohne zu einer persönlichen Anstrengung, zum innerlichen Engagement und zur staatsbürgerlichen Verantwortung bereit zu sein.

Jede Demokratie ist auf die Bereitschaft ihrer Bürger zur politischen Mitverantwortung angewiesen. Die Spielregeln der Freiheit sind meiner Meinung nach sehr eng gesetzt. Hier sind vor allem auch unsere Politiker angesprochen, die oft in böswilligen Angriffen und persönlichen Diffamierungen (siehe Diskussionen um Ursula von der Leyen als EU-Kommissionschefin oder Annegret Kramp-Karrenbauer als neue Verteidigungsministerin) den politischen Gegner verunglimpfen. Statt sachlicher Argumente werden oft mit wortreichen Raffinessen un­realistische Forderungen erhoben. Das Volk spürt diese Unredlichkeit und wird verdrossen über die etablierten Parteien. Derartige Machenschaften schaden einer freiheitlichen Demokratie, schaden der Freiheit überhaupt. Weimar lehrt uns für die heutige Demokratie, dass die europäische Einigung unser Leben ganz konkret verbessert hat und dass wir die längste Friedensphase der Geschichte in Deutschland haben. Man muss Europa immer wieder als Friedensprojekt erklären – auch wenn das altmodisch klingt. Die Bedeutung Europas und die Sicherung der Demokratie ist leider noch nicht in allen Köpfen der Menschen angekommen und in den Herzen schon gar nicht. Deshalb sind wir immer wieder gemeinsam dazu aufgerufen, uns aufkommenden antidemokratischen Tendenzen entgegenzustellen, um dadurch rechtspopulistische Politiker und Parteien nicht weiter zu stärken und die Demokratie in unserem Land zu sichern.

Manfred Maximini, Trier

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