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In die Zukunft investieren

In die Zukunft investieren

Zur Attacke auf einen Münchner S-Bahn-Fahrgast:

Und schon wieder geht sie los, die Debatte über härtere Strafen für jugendliche Straftäter. Und das auch noch im Wahlkampf. Natürlich müssen Straftäter, wie in diesem Fall, mit aller Härte zur Verantwortung gezogen werden. Aber das ist nicht genug! Gerade den Opfern, den Hinterbliebenen, ihnen muss geholfen werden. Eine solche Tat kann man ohne professionelle Hilfe oft nicht verarbeiten.

Was mich aber an der ganzen Diskussion am meisten aufregt: Man befasst sich nicht ernsthaft mit der Ursachenforschung! Würde man flächendeckend in die gewaltpräventive Arbeit, wie es auch Polizei, Pädagogen und Psychologen immer wieder fordern, investieren, könnte man auffälliges Verhalten bereits im Kindergarten und in Schulen erkennen. Es ist kein Geheimnis, dass nicht unbedingt die Quantität von Straftaten zunimmt als vielmehr die Qualität. Empathie-Fähigkeit muss erlernt werden! Sie wird nicht angeboren. Dies war bei den Tätern aus München-Solln so und ist bei allen Straftätern so, das zeigen etliche Studien. Und wenn diese Voraussetzung zur Empathie-Förderung im Elternhaus nicht gegeben ist, so haben Kindergärten und Schulen dafür Sorge zu tragen. Aber leider scheitert dies, wie so oft, an der Ausrede, es sei nicht finanzierbar und damit nicht umsetzbar. Wann wird endlich in unsere Zukunft, das heißt in unsere Kinder und Jugendlichen, investiert? Gewaltpräventive soziale Arbeit macht sich bezahlt und muss ausgebaut werden. Auch das hat etwas mit Bildung zu tun. Wenn wir der Jugend den Rücken kehren, wird sie sich verständlicherweise wehren. Die reaktionäre Jugendarbeit im Arrest frisst viel mehr Geld auf als präventive Arbeit. Denn welcher jugendliche Gewalttäter lässt sich schon davon abschrecken, ob er nun zehn oder 15 Jahre hinter Gitter muss? War doch sein ganzes Leben bestimmt von Strafen und Perspektivlosigkeit. Ich spreche der Familie des getöteten 50-Jährigen mein tiefstes Beileid aus und hoffe auf den Tag, an dem ich lesen kann, dass die Bundesregierung ein Milliardenpaket zur präventiven Arbeit an Schulen und Kindergärten präsentiert. Bei den Banken hat das ja auch schon mal funktioniert.

Oswald Steines, Trier

Kriminalität